2009.06.24 Neuss : Gäb tritt vom Amt bei der Sporthilfe zurück

Hans-Wilhelm Gäb hat angekündigt, als Aufsichtsratsvorsitzender und Chef des Kontrollgremiums bei der Deutschen Sporthilfe (DSH) "aus privaten Gründen" zurückzutreten.

mby
Hans-Wilhelm Gäb tritt beim DSH zurück

Hans Wilhelm Gäb wird als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Sporthilfe (DSH) mit Wirkung vom 31. Juli 2009 zurücktreten. Das teilte der 73-Jährige den Mitgliedern des DSH-Kuratoriums in einem persönlichen Brief am Dienstag (23. Juni) mit. "Die Entscheidung ist mir außerordentlich schwergefallen", sagte Gäb dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Die Gründe sind privat und rein persönlich, ich bitte um Verständnis."

Gleichzeitig gab Gäb auch den Aufsichtsratsvorsitz der Deutschen Sporthilfe-Marketing ab. Seine Amtszeit wäre eigentlich erst im Dezember 2010 zu Ende gegangen. Der frühere Top-Manager der Automobilindustrie, ausgezeichnet mit dem Großen Bundesverdienstkreuz und dem Olympischen Orden durch das Internationale Olympische Komitee (IOC), war seit dem 1. Januar 2008 Vorsitzender des Aufsichtsrates der DSH. Zuvor hatte er seit dem 1. August 2005 den Vorstandsvorsitz der Sporthilfe inne.

Gäb soll Ehrenvorsitzender im Aufsichtsrat werden

"In den Jahren an der Spitze haben Hans Wilhelm Gäb und seine Mannschaft die Führungsstruktur der Stiftung gestrafft, den Haushalt konsolidiert, ihr mit den Leitbegriffen "Leistung, Fairplay, Miteinander" eine neue gesellschaftspolitische Ausrichtung gegeben, die Marke Sporthilfe neu profiliert und damit der Stiftung neue Ertragsmöglichkeiten erschlossen", heißt es in einer Erklärung des Vorstandsvorsitzenden Werner E. Klatten.

Gäb habe damit nach innen und außen das neue Gesicht der Sporthilfe geprägt. Man respektiere die persönlichen Gründe für den Rücktritt. Klatten erklärte weiter, dass Gäb in der nächsten Aufsichtsratssitzung am 9. Juli, in der die Entscheidung über einen Nachfolger fällt, Ehrenvorsitzender im Aufsichtsrat werden soll.

Herausragende Leistungen trotz schwerer Schicksalsschläge

Damit tritt in der deutschen Sportführung ein Mann in den Hintergrund, der in den Neunziger Jahren für das höchste nationale Amt vorgesehen war. Als Präsident und heutiger Ehrenpräsident im Deutschen Tischtennis-Bund galt Gäb klar als designierter Nachfolger von NOK-Präsident Willi Daume, doch das Schicksal wollte es anders.

Eine lebensbedrohliche Viruserkrankung, die 1994 eine Lebertransplantation erforderlich machte, zwang Gäb zum Verzicht auf alle sportlichen Ämter und zu einer langen Pause. Das vorangegangene jahrelange Warten auf eine Spenderleber, eine Zeit zwischen Leben und Tod, war für Gäb Ausgangspunkt für die Gründung des "Vereins Sportler für Organspende (VSO)". Eine Initiative, die er aus Dankbarkeit für seine Genesung gründete und die heute durch große Namen wie Franz Beckenbauer, Michael Schumacher, Rosi Mittermaier oder Steffi Graf gestützt wird.

Gäb stand für das "Miteinander im Sportverein"

Zu den stets herausragenden Fähigkeiten des früheren deutschen Tischtennismeisters aus Düsseldorf gehörten neben dem Einfühlungsvermögen gegenüber Sportlern seine enorme Sozialkompetenz und seine Kreativität bei der Bildung von Verbindungen zwischen Sport, Wirtschaft und Gesellschaft. Hans Wilhelm Gäb war ein Glücksfall und die Idealbesetzung für die Deutsche Sporthilfe, eine außerordentlich prägende Persönlichkeit an der Spitze des Sozialwerkes und deren fünfter Vorsitzender nach Gründer Josef Neckermann (1967 bis 1988), Willi Daume (1988 bis 1991), Erich Schumann (1991 bis 1996) und Hans Ludwig Grüschow (1997 bis 2005).

Für den früheren Tischtennis-Nationalspieler war der Sport immer weitaus mehr als Profi-Business, Unterhaltungs-Vehikel oder Quoten-Garant für TV-Sender. "Das Miteinander im Sportverein ist für Millionen junger Menschen eine Grundschulung in Demokratie und Toleranz" - das war und ist sein Credo. 27 Millionen Mitglieder in 80.000 Vereinen sind ihm wichtiger "als 100.000 Zuschauer am Nürburgring". Für Gäb gab es keinen Sport ohne Sieg und Niederlage: "Für die Idee des Sports bedeutet ein anständiger Verlierer mehr als ein stolzer Sieger."