2009.06.24 Neuss : HSV und Beiersdorfer gehen getrennte Wege

Der Hamburger SV und Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer beenden die Zusammenarbeit. Aufsichtsratsvorsitzender Horst Becker bestätigte die Trennung am Dienstagabend.

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Dietmar Beiersdorfer muss gehen

Keine Zugänge, keine Einheit im Verein und nun auch kein Sportchef mehr: Zehn Tage vor seinem Trainingsauftakt am 4. Juli droht Fußball-Bundesligist Hamburger SV im Chaos zu versinken. Nach Differenzen mit Vorstandschef Bernd Hoffmann und zwei gescheiterten Schlichtungsversuchen des Aufsichtsrats ist das Kapitel Dietmar Beiersdorfer bei den Hanseaten nach knapp sieben Jahren beendet. Der bis Dezember 2010 datierte Vertrag des Managers wurde mit sofortiger Wirkung "einvernehmlich" aufgelöst.

"Wollten Beiersdorfer halten"

"Wir wollten Dietmar Beiersdorfer halten, aber es war sein Wunsch zu gehen. Diesem Ansinnen haben wir entsprochen. Wir bedauern seinen Schritt sehr", sagte Aufsichtsratschef Horst Becker, dem es am Dienstagabend gemeinsam mit seinen Gremiumskollegen nicht gelang, die Unstimmigkeiten zwischen Hoffmann und Beiersdorfer auszuräumen und den Sportchef zum Bleiben zu bewegen: "Wir haben versucht, ihn in seiner Entscheidung umzubiegen. Leider hat es nichts genützt."

Zu stark war das Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Vorständen erschüttert, zu gering war offenbar die Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation. Unterschiedliche Auffassungen über die Kompetenzbereiche, mögliche Transfers und die Bewertung der vergangenen Saison hatten für tiefe Risse zwischen Hoffmann und Beiersdorfer gesorgt. Die Kontinuität der vergangenen Jahre ist nun erst einmal dahin.

Beiersdorfer: "Keine Basis mehr gesehen"

"Ich habe keine Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mehr gesehen, um einen Klub wie den HSV zu führen", sagte der scheidende Sportchef dem Hamburger Abendblatt. So schien der in der Außendarstellung eher offensiv und emotional veranlagte Hoffmann zuletzt zunehmend von seinem eher zurückhaltend und pragmatisch wirkenden Vorstandskollegen abzurücken.

Mit dem neuen Trainer Bruno Labbadia soll Hoffmann eigenständig und ohne den Manager zu informieren über die Zusammenstellung des künftigen Kaders diskutiert haben. Auch die von Beiersdorfer aufgebaute, kostspielige Scouting-Abteilung ist dem HSV-Boss angeblich ein Dorn im Auge.

"Sicher hat der Entschluss von Dietmar Beiersdorfer auch mit Differenzen mit Bernd Hoffmann zu tun. Aber es gab eine Vielzahl von Gründen - auch perspektivische", meinte Becker und wollte den Disput in der Führung nicht als allein ausschlaggebend für die Trennung bewerten. Zumal der Chefkontrolleur trotz aller offenkundiger Wertschätzung für Beiersdorfer auch Hoffmann den Rücken stärkte.

"Bernd Hoffmann ist Vorstandsvorsitzender und hat damit das Recht, in andere Bereiche des Vereins einzugreifen. Vielleicht hätte man dies in manchen Dingen anders angehen müssen, aber grundsätzlich ist es in Ordnung", sagte Becker: "Natürlich hat es darüber Befindlichkeiten gegeben." Durch den Abgang Beiersdorfers hat Hoffmann seine Hausmacht nun erst einmal weiter gestärkt, damit aber gleichzeitig eine Spaltung des Vereins riskiert.

Anerkennung bei den Fans für Beiersdorfer

Zum einen sollen Nachwuchs- und Scoutingabteilung weiter zu dem nun ehemaligen Manager stehen, zum anderen genießt Beiersdorfer aufgrund seines Auftretens und seiner Transferpolitik allerhöchste Anerkennung bei den Fans - im Gegensatz zu Hoffmann. Noch bevor der Aufsichtsrat im Dienstagabend zusammentraf, warben die Anhänger am Sitzungsort per Plakat ("Beiersdorfer halten") für den Sportchef. Hoffmann hingegen hatte sich schon vor der Mitgliederversammlung im vergangenen Januar harter Kritik aus den Reihen der mächtigen Fan-Organisation "Supporters" ausgesetzt gesehen.

Auf die bislang ohnehin stockenden Bemühungen um Verstärkungen soll der Abschied von Beiersdorfer hingegen keinen Einfluss haben. "Das wird keine großen Auswirkungen haben. Bernd Hoffmann und Bruno Labbadia werden die Kaderplanung übernehmen", meinte Becker. Doch nun muss sich der Klub nicht nur nach neuen Spielern, sondern auch nach einem neuen Sportchef umsehen.

"Aufsichtsrat und Vorstand werden die Personalie zügig und sehr gewissenhaft angehen. Für den HSV ist es eine unruhige Phase. Es bringt jetzt aber nichts, sich zeitlich unter Druck zu setzen", sagte der Chefkontrolleur. Gespräche mit potenziellen Kandidaten hätten noch nicht stattgefunden. Becker: "Dafür ist das alles noch viel zu frisch."