2009.06.29 Neuss : U21 kann im EM-Finale Geschichte schreiben

Mit einem Sieg kann die deutsche U21 gegen England Geschichte schreiben. Der EM-Titel wäre der erste für eine U21 und gleichzeitig der Hattrick bei den Junioren-Teams.

us
Die U21 geht optimistisch ins EM-Finale

Die Stimmung ist gelöst, das Selbstvertrauen enorm und die Perspektive verlockend: Die deutsche U21-Nationalmannschaft will heute gleich in doppelter Hinsicht deutsche Fußball-Geschichte schreiben. Ein Sieg im Finale gegen England (20.45 Uhr/live im ZDF) würden den ersten EM-Triumph einer deutschen U21 bedeuten und den DFB nach dem Gewinn der EM-Titel bei der U17 und der U19 als ersten Verband in den Besitz aller drei Kontinental-Titel im Junioren-Fußball bringen.

"Wir wollen Gewinner sein, das ist uns eingeimpft", sagt Außenverteidiger Andreas Beck, Siegtorschütze im Halbfinale gegen Italien (1:0): "Wir sind Deutschland, und so werden wir auch auftreten und das Spiel gewinnen." Das Endspiel in Malmö wird die gesamte DFB-Prominenz, von Präsident Theo Zwanziger über Bundestrainer Joachim Löw und Generalsekretär Wolfgang Niersbach bis Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und Sportdirektor Matthias Sammer, auf der Tribüne des neuen Stadions von Malmö verfolgen.

Optimismus vor dem Finale

"Ich gehe davon aus, dass unsere Jungens jetzt auch den Titel holen", sagt Löw. Niersbach bescheinigt den Junioren, die auf eigenen Wunsch in roten Trikots statt in Schwarz und Weiß antreten werden, schon einmal: "Egal, wie dieses Turnier ausgeht, es war auf jeden Fall ein Erfolg. " Doch damit wollen sich die Youngster nicht begnügen. "Ich will diesen Titel holen, an so etwas erinnert man sich sein Leben lang", meint der Leverkusener Gonzalo Castro.

Auch Trainer Horst Hrubesch will seinen vierten europäischen Titel als Spieler und Trainer. "Du bereitest dich zweieinhalb Jahre vor, gehst durch die Qualifikation, entbehrst vieles, das willst du auch mit vollen Händen nach Hause kommen", sagt der Europameister von 1980 vor seinem letzten Spiel als U21-Coach. Nach dem Turnier wird er die Mannschaft an Rainer Adrion übergeben.

Euphorie soll neue Kräfte motivieren

Nach einer für die meisten jungen Spieler ungewohnt langen Saison sollen für das fünfte Turnierspiel innerhalb von 15 Tagen noch einmal alle Kräfte mobilisiert werden. "Das Halbfinale hat Körner gekostet. Aber jetzt kommt die Euphorie dazu, da verkraftet man das leichter", meint Hrubesch.

So sieht es auch Kapitän Sami Khedira, der nach seiner verletzungsbedingten Zwangspause wieder dabei sein wird. "Ein Finale ist reine Kopfsache", erklärt er: "Das geht jetzt nur noch über den Willen. Und wir haben den Willen und die Überzeugung, dass wir die großen Spiele für uns entscheiden können."

Elfer-Schießen nicht eingeplant

So sieht es auch sein Vertreter Benedikt Höwedes, der mit dem Hamburger Jerome Boateng und seinem Schalker Klubkollegen Manuel Neuer im Tor ein bisher fast unüberwindbares Defensiv-Bollwerk bildet. "Wir sind heiß auf dieses Spiel", meint er: "Wir wollen jetzt den ganzen großen Coup landen, und ich bin sicher, dass wir es schaffen werden." Dass die Engländer im Halbfinale ihr Elfmeter-Trauma überwanden, betrachtet Höwedes schmunzelnd als "neue Qualität. Aber wir wollen es ohnehin gar nicht zum Elfmeterschießen kommen lassen."

Die Titelprämie von 12.000 Euro dient dabei als zusätzliche Motivation. "Aber das Geld interessiert uns überhaupt nicht. Uns interessiert nur der Titel", meint der Bremer Mesut Özil, der nach den Finals im UEFA-Cup und DFB-Pokal sein drittes Finale in knapp sechs Wochen bestreiten wird.

Kapitän Khedira wieder dabei, Dejagah gesperrt

Gegen die Engländer wird der etatmäßige Mittelfeldspieler einen neuen Sturmpartner erhalten, wahrscheinlich den Duisburger Sandro Wagner. Der Wolfsburger Ashkan Dejagah ist wegen zweier Gelber Karten gesperrt. Ansonsten wird es gegenüber dem Italien-Spiel nur eine Änderung geben. Ob für Khedira Fabian Johnson, Dennis Aogo oder Castro weichen müssen, ist aber noch offen. Den Engländer fehlen wegen Sperren Torhüter Joe Hart sowie die Stürmer Frazier Campbell und Gabriel Agbonlahor. "Jetzt werden wir sehen, wer Eier hat", meint Trainer Stuart Pearce.