2009.07.05 Neuss : Rückzieher von Ribery

Ganz neue Töne von Franck Ribery. Der wechselwillige Bayern-Star fühlt sich falsch zitiert und falsch verstanden. Er wolle gar nicht weg, so der Franzose.

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Franck Ribery macht einen Rückzieher

Mit einer Rolle rückwärts hat Bayern Münchens Superstar Franck Ribery Brisanz aus dem Theater um einen möglichen Wechsel zu Real Madrid genommen. Nachdem ihm Trainer Louis van Gaal ein Ultimatum stellte, fühlt der kleine Franzose sich ganz plötzlich völlig missverstanden und gibt sich kleinlaut.

"Ich habe nie gesagt, dass ich unbedingt weg will. Das waren nicht meine Worte, meine Aussagen wurden falsch interpretiert", sagte der 26-Jährige der Münchner tz. Zuletzt hatte er öffentlich mit unzweideutigen Aussagen seinen Abschied vom FC Bayern forciert, nun geht Ribery auf Schmusekurs. "Ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Ich will keinen Streit mit dem FC Bayern. Diese Sache würde ich gerne klären."

Ribery: "Man muss jetzt einfach abwarten"

"Ich habe mich entschieden: Ich will weg", war der Mittelfeldspieler in der französischen Sporttageszeitung L'Equipe zitiert worden. Dies hatte erheblichen Wirbel ausgelöst. Nun klingt das etwas anders. "Man muss jetzt einfach abwarten und, falls es ein Angebot gibt, sich unterhalten. Aber ich will jetzt nichts Falsches sagen."

Da ihn nach fünf Tagen als Bayern-Trainer das Ribery-Wechseltheater bereits nervte, stellte van Gaal ein Ultimatum, das anscheinend sofort Wirkung zeigte. "Das Wechsel-Thema ist nicht gut für Franck, nicht gut für Bayern und auch nicht gut für mich. Es muss bald vorbei sein", sagte der neue Coach der Bild am Sonntag. Heißt im Klartext: Entweder Riberys Wunschtransfer zu Real Madrid geht in Kürze über die Bühne, oder er bleibt und bekennt sich zum FC Bayern. Dies steht zwar (noch) aus, aber von offener Konfrontation kann keine Rede mehr sein.

Obwohl der knorrige Niederländer van Gaal auf eine Entscheidung drängt, hat er Verständnis für den Star. "Er hat es augenblicklich sehr schwer, weil sein Umfeld ihn stark beeinflusst - und das können wir alle sehen. Darüber habe ich mit ihm gesprochen", sagte er.

Achillessehnenprobleme überstanden

Die Bayern wollen Ribery, der seine Achillessehnenprobleme wohl überstanden hat und am Sonntag wieder mit der Mannschaft trainierte, weiter unbedingt halten. "Wir haben Franck klar und deutlich gesagt, dass wir auf ihn bauen und ein Verkauf nicht zur Debatte steht. Franck bleibt beim FC Bayern. Und wenn er es eingesehen hat, wird er Gas geben, und seine gute Laune kommt dann von ganz alleine", sagte der neue Sportdirektor Christian Nerlinger der Münchner AZ. "Es ist meine Mentalität, immer Gas zu geben", konterte Ribery.

Für die spanische Presse steht fest, dass die Bayern sich vergeblich mühen. Das Sportblatt Marca nannte Riberys Trainingspause einen "klaren Akt der Rebellion". Nerlinger wies das zurück, Riberys Probleme seien "keine Erfindung und kein Vorwand" gewesen. Eine vorgetäuschte Verletzung könnte Ribery auch bald gar nicht mehr nötig haben. Laut der Sportzeitung AS wird sich Madrids Unterhändler Pedro Lopez Jimenez bald bei den Bayern melden - und ein Angebot für Ribery abgeben, "das die Bayern nicht ausschlagen können".

Nerlinger geht das Geplänkel auf die Nerven, jetzt will er mit van Gaal einen "Verhaltenskatalog" für die Profis ausarbeiten. "Den Spielern sollen Grenzen gezeigt werden, die nicht überschritten werden dürfen", sagte er. Ohne Regeln sei es "schwierig, in einer Gemeinschaft zu leben", ergänzte van Gaal, die Spieler könnten sich aber innerhalb der Grenzen "frei bewegen".

Mit van Gaal ist nicht zu spaßen

Dass mit van Gaal nicht zu spaßen ist, dürften die Bayern-Stars schon bei den ersten Einheiten gespürt haben. Der Niederländer gibt harte, klare Kommandos, er kritisiert lautstark - ist sich aber auch für ein Lob nicht zu schade. Nerlinger beschreibt den neuen Mann als "sehr autoritär", van Gaal selbst bekennt: "Na ja, ich bin schon ein General, aber ein flexibler General."

Er wolle "Bayern wieder nach vorne bringen", sagte van Gaal, forderte aber auch Geduld: "Um die Mannschaft auf das Niveau zu bringen, das ich sehen möchte, werde ich drei, vier Monate benötigen." Zunächst will er noch einige Spieler aussortieren, denn: "27 Spieler sind zu viel." Falls Ribery tatsächlich geht, kann sich van Gaal den Kauf eines Torhüters vorstellen. "Es ist ein Thema, das ich in den ersten zwei Wochen beobachten muss", sagte er, und heizte die Spekulationen um Manuel Neuer von Schalke 04 damit wieder an.