2009.07.06 Neuss : Cavendish gewinnt erneut im Sprint

Der Brite Mark Cavendish hat auch die dritte Etappe der Tour de France von Marseille nach La Grande Motte gewonnen. In Gelb bleibt Fabian Cancellara, Tony Martin ist jetzt Zweiter.

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Überlegener Sprint-Sieger: Mark Cavendish (l.)

"ManXpress" Mark Cavendish setzt seine Sprinter-Show fort, aber der große Gewinner heißt Lance Armstrong. Der siebenmalige Toursieger knöpfte seinem Teamrivalen und Topfavoriten Alberto Contador auf der dritten Etappe der 96. Tour de France 41 Sekunden ab und ist mit einem Schlag zur Nummer 1 im Astana-Team aufgestiegen. Dem Amerikaner, der nun Dritter im Gesamtklassement ist, winkt beim Mannschaftszeitfahren am Dienstag sogar das Gelbe Trikot.

Den Sieg auf dem 196,5km langen Teilstück von Marseille nach La Grande-Motte holte sich wie am Vortag Cavendish, der im Schlussspurt einer 27-köpfigen Spitzengruppe triumphierte. Cavendishs deutscher Teamkollege Tony Martin gehörte der Fluchtgruppe, die sich 30km vor dem Ziel abgesetzt hatte, ebenfalls an und ist mit 33 Sekunden Rückstand auf den Gesamtersten Fabian Cancellara nun Zweiter.

Columbia-Sportdirektor Rolf Aldag ist gar fest davon überzeugt, dass Armstrong am Dienstag das Zepter übernimmt: "Diese Etappe hat dafür gesorgt, dass der gute alte Lance Armstrong ins Gelbe Trikot fahren wird." Seine Mannschaft war an der neuen Ausgangsposition nicht ganz unbeteiligt.

160km Bummelfahrt

Nach einer 160km langen Bummelfahrt überschlugen sich plötzlich die Ereignisse. Urplötzlich entstand zwischen dem Columbia-Zug und dem Peloton ein Loch. Armstrong bewies den richtigen Riecher und gehörte der Gruppe ebenso an wie Linus Gerdemann vom Milram-Team. Die 27 Fahrer arbeiteten perfekt zusammen und fuhren schnell einen großen Vorsprung heraus.

Contador hatte dagegen die Situation genauso wie seine Teamkollegen Andreas Klöden und Levi Leipheimer verpasst und verlor viel Zeit. Damit stieg Armstrong urplötzlich vom vierten auf den ersten Platz in der Astana-Hierarchie, gemessen am Gesamtklassement, auf. Sollte am Dienstag alles perfekt laufen, könnte der 37-Jährige sogar ins Gelbe Trikot fahren. Dann müsste sein Astana-Team aber 40 Sekunden auf Saxo Bank herausfahren.

Martin jubelte unterdessen über das Weiße Trikot. "Das ist gigantisch und der größte Moment meiner Radsport-Karriere. Ich wollte einmal bei der Tour das Weiße Trikot tragen", sagte der 24-Jährige.

Cavendish im Sprint nicht zu schlagen

Cavendish, der schnellste Mann der Radsport-Welt, beherrscht unterdessen die Sprinter-Konkurrenz nach Belieben. Der Schützling von Erik Zabel gewann im Sprint klar vor dem Norweger Thor Hushovd.

Da lediglich Hushovd als Sprintrivale vorne vertreten war, gestaltete sich das Finale noch einseitiger. Perfekt vom Columbia-Zug vorbereitet fuhr Cavendish den Sieg sicher nach Hause und feierte bereits seinen insgesamt 15. Saisonsieg. Bei der Tour stockte der 24-Jährige von der Isle auf Man sein Konto auf sechs Etappengewinne auf, nachdem er im Vorjahr gleich viermal triumphiert hatte.

"Es ist mein Job, Etappen zu gewinnen", sagte Cavendish gewohnt cool und ergänzte: "In diesem Jahr will ich aber endlich mal in Paris ankommen. Natürlich wäre dann auch das Grüne Trikot ein großes Ziel für mich." Im Kampf um das Sprint-Jersey liegt Cavendish, der bei seinen ersten beiden Tour-Teilnahmen jeweils aufgab, mit nun 70 Punkten klar in Führung.

Cavendishs Dank an Zabel

Großen Anteil an seinen Erfolgen hat laut Cavendish insbesondere sein Mentor Erik Zabel. "Mit 24 Jahren habe ich noch nicht viel Erfahrung. Aber die Kombination aus meinen Fähigkeiten und Eriks Wissen ist der Schlüssel zum Erfolg", meinte Cavendish und bekam die Komplimente prompt zurück: "Es ist sehr angenehm mit ihm zu arbeiten. Er fragt lieber zweimal nach als gar nicht."

Bevor Cavendish jubeln durfte, musste sein Team aber erst einmal arbeiten. Auf dem Teilstück an der Mittelmeerküste bestimmte zunächst eine vierköpfige Spitzengruppe, bestehend aus den Franzosen Maxime Bouet, Samuel Dumoulin, dem Niederländer Koen de Koert und dem Spanier Ruben Perez das Geschehen. Das Peloton hatte zunächst kein großes Interesse an einer Aufholjagd, sodass der Vorsprung auf 13 Minuten wuchs. Am Ende musste das Quartett den Strapazen bei erneuten Temperaturen um 40 Grad aber Tribut zollen, sodass 30km vor dem Ziel der Fluchtversuch beendet war.