2009.07.07 Neuss : Lienen: "Die Tür für Berkant Göktan ist offen"

Neue Chance für Kokain-Sünder Berkant Göktan bei 1860 München: Auch Trainer Ewald Lienen kann sich eine Rückkehr des Türken in den Kader des Zweitligisten gut vorstellen.

bto
Ex-1860-Angreifer Berkant Göktan

Im Oktober 2008 wurde Berkant Göktan fristlos gekündigt, neun Monate später steht der Kokain-Sünder vor einer Rückkehr zum Zweitligisten 1860 München. Nach Präsident Rainer Beeck hat nun auch Trainer Ewald Lienen dem gefallenen Helden eine goldene Brücke gebaut. "Die Tür für Berkant ist offen. Wenn Göktan sagen würde, ich kann mir das vorstellen, dann geben wir ihm die Chance, sich zu präsentieren", sagte Lienen. Bereits am Montag beziehen die Löwen ein Trainingslager in St. Johann/Österreich. Vielleicht mit Göktan.

Doch ganz so einfach ist der Fall nicht. Zwar war der Türke nach seiner ersten Karrierepause vom Hobby-Kicker im Englischen Garten zum Liebling der "Sechzger"-Fans aufgestiegen - 20 Toren in 37 Zweitligaspielen sei Dank. Doch durch seine Drogenvergehen und andere Eskapaden verspielte er viel Kredit. Nach einem vom Verein veranlassten positiven Drogentest hatte der damalige Manager Stefan Reuter angekündigt, Göktan werde nie wieder für den Meister von 1966 spielen.

Benjamin Lauth, vergangene Saison mit 15 Toren erfolgreichster Angreifer bei 1860, äußerte bereits Bedenken. "Entscheidend ist, wie er körperlich beisammen ist und was sich in seinem Kopf getan hat", sagte der Kapitän. Die unbestrittenen sportlichen Vorzüge Göktans seien nicht alles: "Er hat die Spielregeln in unserer Mannschaft mit Füßen getreten." Das könne man nicht vergessen.

Lienen: "Dann müsste ich die halbe Bundesrepublik verhaften"

Angestoßen hatte das brisante Thema Präsident Beeck am vergangenen Wochenende, als er, angesprochen auf Göktan, der AZ und der Bild sagte: "Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder eine zweite Chance verdient." Damit gerieten auch die sportlich Verantwortlichen in Erklärungszwang, und Lienen musste sich wohl oder übel äußern. Es sei nicht sinnvoll, "jetzt Luftschlösser zu errichten und zu großen Erwartungsdruck aufzubauen", sagte der Trainer.

Empörung über die Gedankenspiele, den auf Abwege geratenen 28-Jährigen zurückzuholen, versucht Lienen auszubremsen. "Dann müsste ich die halbe Bundesrepublik verhaften. Schon wenn sich jemand etwas mit Alkohol geleistet hat", sagte er.

Wenn überhaupt, dann müsse die Angelegenheit zügig geklärt werden. "Ich würde mir jetzt ein Signal wünschen. Es ist wichtig, dass ein Spieler in der Vorbereitung dabei ist", erklärte Lienen. Eine Spielberechtigung könnte Göktan schnell erhalten. Da er in der Saison 2008/09 nicht am Spiel- und Trainingsbetrieb teilgenommen hatte, leitete der DFB kein Strafverfahren ein.

Göktans Aufenthalt in Thailand beendet

Von Göktan ist bislang wenig zu hören. Lange Zeit soll er sich in Thailand aufgehalten und eine neue Liebe gefunden haben. Mittlerweile soll er wieder in München sein. Und wurde zuletzt laut tz mit den Worten zitiert: "Ich bin noch nicht so weit."

Geschäftsführer Manfred Stoffers will die Diskussionen nun eindämmen und die Mannschaft vor noch mehr Unruhe bewahren: "Wir sagen zum Thema Göktan bis auf weiteres nichts mehr." Gespräche mit dem Spieler sollen aber bereits stattgefunden haben. Andernfalls wäre es auch sehr merkwürdig gewesen, das Thema anzustoßen.