2009.07.09 Neuss : Glanzloser Phelps-Auftritt wirft Fragen auf

Michael Phelps hat sich bei den US-Trials über 200m Freistil und Schmetterling für die Schwimm-WM qualifiziert. Der Rekord-Olympiasieger ließ die Leichtigkeit von Peking vermissen.

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Michael Phelps löste die WM-Tickets für die 200m Schmetterling und Freistil

Die ersten beiden Tickets für die Schwimm-WM in Rom hat Michael Phelps gelöst, doch Fragezeichen hinter seiner Form hat der Rekord-Olympiasieger bei den US-Ausscheidungen in Indianapolis noch nicht beantworten können. "Mein erstes Ziel habe ich mit der WM-Qualifikation geschafft", sagte der 24-Jährige, räumte aber auch selbstkritisch ein: "Wirklich glücklich bin ich nur, wenn ich Bestzeiten schwimme."

Phelps im Schatten von Peirsol

Es war ein ungewohntes Gefühl für Phelps, dass er am zweiten Tag der Trials im Schatten von Aaron Peirsol stand. Während sich Peirsol über 100m Rücken in 51,94 Sekunden den Weltrekord vom Spanier Aschwin Wildeboer zurückholte, schwamm Phelps eher glanzlos zu seinen Siegen über 200m Freistil (1:44,23 Minuten) und 200m Schmetterling (1:52,76).

Es bleiben Fragen. Wie motiviert ist Phelps nach seinem Goldrausch von Peking? Wie hat er die längere turbulente Auszeit mitsamt Wasserpfeifen-Affäre und dreimonatiger Sperre überstanden? Wie konkurrenzfähig ist sein Anzug nach den jüngsten Entwicklungen anderer Hersteller? Wie wird sich der siebenmalige Weltmeister bei der "Gladiatoren-WM" vom 17. Juli bis zum 2. August schlagen?

In Indianapolis wirkte Phelps ungewohnt gereizt. "Ich bin nicht hier, um über Anzüge zu diskutieren", sagte der Superstar und deutete an, dass nicht alles glatt läuft: "Es gibt einige Dinge, die frustrierend sind. Aber ich werde sie für mich behalten und mich damit anstacheln."

Das Jahr 2009 ist für Phelps auch ein Experiment. Der US-Boy, der zuletzt zehn Kilogramm abgenommen hat, hat sich auch sportlich ein abgespecktes Programm verordnet. In Indianapolis geht Phelps nur noch über 100m Schmetterling und Freistil an den Start.

100m Freistil als Risiko

Vor allem die 100m Freistil sind für den sieggewohnten Phelps eine Herausforderung, wenn nicht sogar ein Risiko. Ob er über diese Strecke seinen neuen windmühlenartigen Schwimmstil einsetzen wird, ließ Phelps offen.

Im Vorlauf über die Schmetterlingsdistanz deklassierte er am Donnerstag die nationale Konkurrenz, als er nach 51,17 Sekunden vor Tyler McGill (51,76) und Peirsol (51,86) anschlug.

Zugleich verteidigte er die Wahl der neuen Einzelstrecke: "Für mich war es nach Peking auch wichtig, neue Reize zu setzen." Trotz einer gewissen Unsicherheit ist Phelps nach wie vor guter Dinge, spätestens in Rom wieder auf Top-Niveau zu sein "Solche Rennen wie hier in Indianapolis sind wichtig", sagte Phelps: "Sie machen mich schneller."