2009.07.12 Neuss : Webber beim Red-Bull-Doppelsieg vor Vettel

Red Bull hat beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring Brawn GP in die Schranken gewiesen. Mark Webber gewann vor Sebastian Vettel, Nico Rosberg wurde Vierter.

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Sieg auf dem Nürburgring für Mark Webber

Der eigene Teamkollege hat Sebastian Vettels Traum vom Heimsieg zerstört. Der Australier Mark Webber feierte vor 100.000 Zuschauern auf dem Nürburgring den ersten Erfolg seiner Formel-1-Karriere und verwies den deutschen Hoffnungsträger im zweiten Red Bull auf den zweiten Platz. Der von der Pole Position gestartete Webber, der in der Winterpause beim Radfahren einen Beinbruch erlitten hatte, lag an seinem Traum-Wochenende nach 60 Runden trotz einer Durchfahrtstrafe 9,5 Sekunden vor Vettel.

Vettel macht im WM-Rennen Boden gut

Vettel durfte sich dennoch als Gewinner fühlen, denn der Hesse machte im Titelrennen mit WM-Spitzenreiter Jenson Button Boden gut. Der Brite, der in diesem Jahr im bislang dominierenden Brawn sechs Grand Prix gewann, musste sich mit dem enttäuschenden fünften Rang begnügen.

Button führt die WM-Wertung nach dem 9. von 17. WM-Läufen mit 68 Punkten und damit 21 Zählern Vorsprung aber weiter vor dem neuen Zweiten Vettel an (47). Der bisherige WM-Zweite Rubens Barrichello (Brasilien/44) fiel nach seinem sechsten Platz sogar noch hinter Webber (45,5) auf Position vier zurück.

Rosberg als Vierter zweitbester Deutscher

Zweitbester Deutscher an diesem Tag war Williams-Pilot Nico Rosberg (Wiesbaden), der hinter dem Brasilianer Felipe Massa im Ferrari als Vierter sein bislang bestes Saisonergebnis verbuchte. Timo Glock (Wersau) verpasste auf Rang neun die Punkteränge nur knapp. Nick Heidfeld (Mönchengladbach) wurde im BMW-Sauber nur Zehnter.

Adrian Sutil (Gräfelfing), der im Qualifying mit Platz sieben sein bestes Resultat herausfuhr, landete im Force India nach einer unverschuldeten Kollision mit Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen (Finnland) nur auf dem 15. Platz.

Ein Debakel erlebte McLaren-Mercedes zum 75. Geburtstag der Silberpfeile. Der Finne Heikki Kovalainen holte als Achter einen einzigen Punkt. Weltmeister Lewis Hamilton, der Sieger des letzten Formel-1-Rennens auf dem Nürburgring 2007, belegte überrundet den 18. und letzten Platz. Allerdings musste der Brite mit einem "Plattfuß" schon nach einer Runde einen unfreiwilligen Stopp einlegen.

Auch das bisher so dominierende Brawn-Team erlebte in der Eifel ein Reifen-Fiasko. Anstatt die Gummis auf die Betriebstemperatur zu bringen (90 Grad), rutschten Barrichello und Button mit zu kalten Pneus (etwa 60 Grad Celsius) über die Strecke. Beide fuhren immer wieder Schlangenlinien, um ihre Reifen nicht noch weiter abkühlen zu lassen. "Das ist frustrierend, aber wir konnten nichts machen", sagte Teamchef Ross Brawn.

Vettels Hoffnungen auf den Sieg erhielten schon beim Start einen Dämpfer, als er schlecht wegkam und vom vierten auf den sechsten Platz zurückfiel. Im Kampf um Platz eins berührten sich Webber und Barrichello, der dennoch die Führung übernahm. Für diese Aktion erhielt der Australier später eine Durchfahrtstrafe, die er in Runde 14 absaß.

Während Barrichello und Webber freie Fahrt hatten, hing Button als Vierter zunächst lange hinter Heikki Kovalainen fest, Vettel hinter Massa. Die beiden Brawn kamen dann in Runde 13 und 14 wie erwartet deutlich früher zum ersten Tanken an die Box als die Red Bull, wobei Button auf einer Drei-Stopp-Strategie war. Barrichello musste später unfreiwillig einen dritten Stopp einlegen, weil es beim zweiten Reifenwechsel in Runde 32 ein Problem mit der Tankanlage gegeben hatte, was ihn seinen 10. GP-Sieg kostete.

Dadurch wurde Vettel am Ende wieder auf Platz zwei nach vorne gespült, den er jedoch gegen Massa verteidigen musste. Nach Vettels letztem Stopp in Runde 44 konnte der Brasilianer aber nur eine Runde länger draußen bleiben und kam hinter dem Red Bull wieder zurück auf die Strecke. Neun Runden vor Schluss überholte Button dann noch an der Box Barrichello, der eine Runde vor ihm zum letzten Mal nachgetankt hatte.