2009.07.14 Neuss : Friedliches Fußball-Fest in Bagdad

Der 4:0-Erfolg der irakischen Nationalmannschaft im Heimspiel gegen Palästina war mehr als ein sportlicher Sieg. Sunniten, Schiiten und Kurden feierten friedlich zusammen.

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Die irakische Nationalmannschaft

Dank König Fußball ist der Glaube an eine friedliche Zukunft im Irak wieder erwacht: Ungeachtet der enormen Sicherheitsvorkehrungen bejubelten am Montagabend 50.000 Fans den 4:0-Erfolg der irakischen Nationalmannschaft gegen Palästina beim ersten Heimspiel in der vom Krieg gezeichneten Hauptstadt Bagdad seit dem Sturz von Diktator Saddam Hussein im Jahr 2003. Sichtlich bewegt und mit Pathos in der Stimme rief Mohammed Raed, Oberleutnant der Sondereinsatzkräfte im Irak, anschließend den Beginn einer neuen Zeitrechnung aus.

"Die Menschen gehen am späten Abend aus dem Haus und besuchen ein Fußballspiel: Das zeigt, Bagdad ist sicher! Für uns war das ein erster großer Schritt in eine friedliche Zukunft", sagte Raed, der sich mehr Sorgen um das aus allen Nähten platzende Stadion als um mögliche Attentate am Rande des Spiels machte: "50.000 Menschen passen in das Stadion, aber auf den Tribünen konnte man sehen, dass es deutlich mehr waren."

Soldaten und "Heile-Welt-Atmosphäre"

Doch trotz der Enge und der gleich zu Spielbeginn völlig ekstatischen Fans gab es während des Spiels keine Zwischenfälle zu verzeichnen. Zwölf Friedenstauben sorgten vor Spielbeginn für eine "Heile-Welt-Atmosphäre". Selbst die sonst verfeindeten Schiiten, Sunniten und Kurden traten am Montagabend als geeinte Anhängerschar auf und schwenkten die irakische Fahne. Angetrieben übrigens von Soldaten, die auf den Zäunen stehend die Fans zum noch lauteren Jubeln aufforderten.

Dazu hatten die irakischen Anhänger auch allen Grund, nachdem ihr Team beim Confed Cup in Südafrika im vergangenen Monat noch ohne eigenen Torerfolg vorzeitig ausgeschieden war. Denn der Asienmeister kam gegen Palästina nach den Treffern von Hawar Mullah Mohammed (25.), Karrar Jasim (58.), Ala Abdel Zahra (72.) und Emad Mohammed (90.) zu einem nie gefährdeten 4:0-Erfolg. Bereits das erste Heimspiel nach sechs Jahren Pause hatten die Iraker am vergangenen Freitag gegen Palästina in der nordirakischen Stadt Arbil souverän 3:0 gewonnen.

Sunniten, Schiiten und Kurden

"Das war nur der Anfang. Ich hoffe, dass nun auch die großen Fußball-Nationen ihre Mannschaften nach Bagdad schicken. Es war heute ein Gefühl wie beim Asien-Cup. Sunniten, Schiiten und Kurden - alle kamen zusammen, um die irakische Nationalmannschaft anzufeuern. Wenn Fußball gespielt wird, sind alle Konflikte vergessen", sagte Hamza Jasim Shateh, Regierungsbeamter der Provinz Babylon.