2009.07.14 Neuss : Heidemann und Kleibrink greifen nach EM-Gold

Die Olympiasieger Britta Heidemann und Benjamin Kleibrink sind die größten Titel-Hoffnungen des Deutschen Fechter-Bundes bei den heute in Plowdiw beginnenden Europameisterschaften.

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Favoritin in Plowdiw: Britta Heidemann

Olympiasiegerin Britta Heidemann hofft bei den Fecht-Europameisterschaften aufs Triple, Benjamin Kleibrink zählt als Gold-Gewinner von Peking ebenso zu den Gejagten, und der Weltranglistenerste Nicolas Limbach will seinen ersten Einzeltitel bei einem großen Turnier. Viel vorgenommen haben sich die insgesamt 25 Athleten für die Titelkämpfe im bulgarischen Plowdiw vom 14. bis 19. Juli. "Drei Medaillen plus X" sagt Sportdirektor Manfred Kaspar vom Deutschen Fechter-Bund (DFeB) zur Zielsetzung.

Die Olympiasieger Heidemann (Degen) und Kleibrink (Florett) sieht Kaspar nicht so sehr in der Pflicht. "Beide brauchen keinen Leistungsdruck zu spüren. Sie haben erstmal genug Leistung gebracht", sagt er und verweist auf den späten Saisoneinstieg der beiden Gold-Fechter von 2008.

Vor allem der für Tauberbischofsheim startende Kleibrink hatte wegen der Aufnahme seines Sportstudiums erst vor zwei Monaten das Florett wieder zur Hand genommen. Dass der 23-Jährige dennoch nach ganz vorn kommen kann, bewies er Anfang Mai beim Grand Prix in Tokio, als er praktisch ohne Vorbereitung Platz zwei belegte.

Auch vor der EM trainierte Kleibrink mit Genehmigung von Bundestrainer Uli Schreck wegen seines Studiums nicht in vollem Umfang. "Er hat Reife und Stabilität. Und er hat die Qualität, in die Medaillenränge zu kommen", sagt Schreck.

Um den dreimaligen Weltmeister Peter Joppich macht sich der Coach allerdings Sorgen. Wegen einer verschleppten Entzündung in der Schulter des Waffenarms musste der Koblenzer in der vergangenen Woche die EM-Vorbereitung unterbrechen. "Ich gehe davon aus, dass ich starten kann", sagt er und bleibt gelassen: "In einer Woche verlernst du ja schließlich nicht das Fechten."

Auch Heidemann hat den Umgang mit dem Degen nicht verlernt. "Ich fühle mich gut, der Blick geht nach oben", sagt die Leverkusenerin selbstbewusst: "Natürlich würde ich nach dem Olympiasieg und dem WM-Gold gerne auch einen EM-Titel gewinnen. Vielleicht kommt die EM dieses Jahr etwas zu früh, aber irgendwann ist das auf jeden Fall mein Ziel."

Olympiasieg als große Erleichterung

Druck verspüre sie ohnehin nicht, im Gegenteil: "Vergangenes Jahr war sehr aufreibend. Den Druck, der damals auf mir lastete, nehme ich erst jetzt richtig wahr, weil er von mir abfällt." In ihrer zweiten Heimat China wollte sie unbedingt den Olympiasieg, selbst auferlegter Druck und das große öffentliche Interesse nebst Endphase ihres Studiums wurden zu einer enormen Nervenprobe.

Die dritte große Hoffnung im Einzel heißt Nicolas Limbach. Der Säbelfechter, mittlerweile auch Aktivensprecher im DFeB, will nach EM-Bronze im Vorjahr nun ganz nach oben. "Ich bin die Nummer eins der Welt. Klar sehe ich mich als einer der Favoriten", sagt der 23-Jährige aus Dormagen. Erstmals bei einem großen Turnier ist auch seine jüngere Schwester Anna. Für die 19-Jährige, ebenfalls mit dem Säbel am Start, geht es in erster Linie darum, Erfahrung zu sammeln.

Neben Heidemann, Kleibrink, Limbach und Joppich, sofern fit, zählen auch die erfahrene Degenfechterin Imke Duplitzer aus Bonn sowie ihre wiedererstarkten Tauberbischofsheimer Waffenkollegen Sven Schmid und Jörg Fiedler zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärter.

Hoffnungen auf Edelmetall macht sich der DFeB zudem in den Teamentscheidungen. Die beste deutsche Säbelfechterin, Alexandra Bujdoso aus Koblenz, kann verletzungsbedingt nicht mit starten.