2009.07.25 Neuss : Alonso holt sich Pole, Vettel auf Zwei

Renault-Pilot Fernando Alonso startet beim Grand Prix in Ungarn von der Pole. Sebastian Vettel fuhr im Red Bull die zweitschnellste Zeit.

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Sebastian Vettel fuhr auf Platz zwei

Erst bange Minuten nach einem schweren Unfall von Felipe Massa, dann Chaos wegen des Ausfalls der Zeitnahme: Das Qualifying zum Großen Preis von Ungarn hat Sebastian Vettel und Co. viel Nerven gekostet.

Erst mehrere Minuten nach Ende der Qualifikation stand fest, dass Red-Bull-Pilot Vettel von Startplatz zwei ins Rennen am Sonntag (14.00 Uhr/live bei RTL und Sky) geht, unmittelbar vor Teamkollege Mark Webber (Australien) und sechs Plätze vor WM-Spitzenreiter Jenson Button (Großbritannien). Die Pole Position ging überraschend an Renault-Pilot Fernando Alonso aus Spanien.

"Die erste Startreihe ist sehr gut, das ist die Basis für das Rennen", sagte Vettel: "Die wichtigste Nachricht ist aber, dass es Felipe gut geht." Das erfuhren die Spitzenpiloten eher als ihre Startplätze, nachdem die Zeitnahme mehrere Minuten lang überhaupt nichts angezeigt hatte. Die Fahrer fragten sich beim Wiegen bereits gegenseitig, wer wohl wo gelandet sein könnte. Sogar Formel-1-Boss Bernie Ecclestone war persönlich in die Katakomben geeilt, um sich zu erkundigen.

Zu diesem Zeitpunkt war Massa schon lange auf dem Weg in ein Budapester Krankenhaus. Nach einer offiziellen Ferrari-Mitteilung hat der 28-Jährige neben einer Gehirnerschütterung eine Risswunde an der Stirn sowie eine Knochenverletzung, vermutlich eine Absplitterung, an der linken Augenhöhle erlitten. Diese machte noch einen operativen Eingriff nötig, der erfolgreich verlaufen ist. Zur weiteren Beobachtung blieb Massa auf der Intensivstation. Starten kann er am Sonntag nicht, sein zehnter Startplatz bleibt leer. Ein Ersatzpilot hätte nach den Regeln zumindest am Qualifying hätte teilnehmen müssen.

Massa nicht schwer verletzt

Der Brasilianer war im zweiten Teil der Qualifikation am Ende einer langen Gerade fast ungebremst in eine Barriere aus Reifenstapeln gerast. Zuvor war in der Zeitlupe im Fernsehen zu beobachten, wie Massa von einem Gegenstand am Helm getroffen worden war. Massa verlor offenbar kurz das Bewusstsein, trat dabei gleichzeitig auf Gaspedal und Bremse und prallte mit rund 190km/h gegen die Reifenbarriere. Helmschale und Visier wurden durch den Aufprall zerstört, Massas Auge war komplett zugeschwollen, dazu erlitt er eine Risswunde. Ansonsten blieb er offenbar unverletzt.

Erst nach mehreren Minuten konnte der Vize-Weltmeister von den Rettungskräften aus seinem Auto befreit werden und wurde dann mit einem Krankenwagen zunächst ins Medical Center der Strecke gefahren. Nach Aussage von Massas Landsmann Rubens Barrichello sei der Ferrari-Pilot zwar benommen gewesen, hätte aber sprechen können. Barrichello war bei Massa im Medical Center, um sich nach dessen Zustand zu erkundigen. Möglicherweise stammte das Teil, das Massa traf, sogar von Barrichellos Auto. Dort wurde ein Teil der Radaufhängung vermisst.

Erst mit einiger Verspätung ging die Qualifikation weiter, und am Ende feierte Alonso die 18. Pole Position seiner Karriere. Als echten Sieg-Anwärter sieht sich der Spanier aber nicht. "Um ehrlich zu sein, unser Ziel ist es, ein paar Punkte zu holen, die unser Team sehr nötig hat", sagte Alonso, der mit einer aggressiven Strategie mit sehr wenig Benzin im Auto ins Rennen geht: "Mit einem schweren Auto wären wir sonst nur im Mittelfeld gelandet."

Daher richtet Vettel ("Zur Pole hat nicht viel gefehlt.") seinen Blick auch eher nach hinten. "Von da kommt die Gefahr: die KERS-Autos. Die Frage ist nur, ob sie rechts oder links an uns vorbeifliegen wollen", meinte der Heppenheimer vor allem mit Blick auf Weltmeister Lewis Hamilton, der im McLaren-Mercedes auf Platz vier steht.

Rosberg zweitbester Deutscher

Unmittelbar dahinter startet als zweitbester Deutscher Nico Rosberg (Wiesbaden) im Williams-Toyota. Erst viel weiter hinten stehen Timo Glock aus Wersau (Toyota/14.), der Mönchengladbacher Nick Heidfeld (BMW-Sauber/16.) und Adrian Sutil aus Gräfelfing (Force-India-Mercedes/18.).

Eine Enttäuschung war die Qualifikation für Brawn-Pilot Button, der nur auf Rang acht landete. Vor dem 10. von 17 WM-Läufen beträgt sein Vorsprung vor Vettel noch 21 Punkte, Webber folgt knapp dahinter auf Rang drei.