2009.07.26 Neuss : Sprint-König Cavendish auch in Paris vorne

Mit dem sechsten Etappensieg von Mark Cavendish endete in Paris die Tour de France. Der Gesamtsieg ging zum zweiten Mal nach 2007 an den Spanier Alberto Contador.

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Sechster Etappensieg für Mark Cavendish

Alberto Contador gönnte sich ein Glas Champagner, wedelte mit der spanischen Fahne und genoss die "Tour d'Honneur" in vollen Zügen. Nach seiner Triumphfahrt durch Paris hat sich der spanische Jungstar zum zweiten Mal nach 2007 die Krone bei der Tour de France aufgesetzt. Lance Armstrong, der im Kampf der Generationen chancenlos geblieben war, musste dagegen mit dem ungewohnten dritten Platz hinter dem Luxemburger Andy Schleck Vorlieb nehmen. Immerhin stellte er damit den Rekord von Raymond Poulidor mit acht Podiumsplätzen ein.

Bei der Siegerehrung würdigten sich Contador und Armstrong keines Blickes, der Amerikaner gab seinem Rivalen lediglich flüchtig die Hand. Der Spanier feuerte seinen symbolischen Pistolenschuss wie bei allen seinen Siegen in die Luft. Den Organisatoren unterlief derweil ein Fauxpas: Sie spielten für Contador die falsche Hymne.

Sechster Etappensieg für Cavendish

Nach 3459,5km von Monaco nach Paris endete damit eine Tour fernab von jeglichen Dopingskandalen. Doch bereits im Herbst droht die neue heile Radsport-Welt von der Vergangenheit eingeholt zu werden. Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD kündigte pünktlich zum Finale Nachtests von der Tour 2008 an. Bei 15 Fahrern aus den Top 20 sollen die eingefrorenen Proben nachträglich auf den Epo-Nachfolger Cera untersucht werden.

Fernab aller Doping-Schlagzeilen griffen beim "Sprint Royale" auf den Champs Elysees die "großen Drei" nicht mehr ins Geschehen ein, stattdessen holte sich Mark Cavendish nach den letzten 164km von Montereau-Fault-Yonne den prestigeträchtigen Sieg auf dem Pariser Prachtboulevard. Für den Briten war es bereits der sechste Etappensieg bei der 96. Tour. Ein Kunststück, das letztmals dem fünfmaligen Tour-Champion Bernard Hinault gelungen war.

Grünes Trikot geht an Hushovd

Für das Grüne Trikot des Punktbesten reichte es dennoch nicht. Das holte sich der Norweger Thor Hushovd. Das Gepunktete Trikot des Bergkönigs gewann der Italiener Franco Pellizotti, bester Nachwuchsprofi war Andy Schleck und die Teamwertung gewann Astana.

Milram-Sprinter Gerald Ciolek verpasste den Sieg auch am Sonntag deutlich. Dafür hatte sein Landsmann Tony Martin am Vortag für Furore gesorgt und nur um Haaresbreite den ersten deutschen Triumph auf dem berühmt-berüchtigten Mont Ventoux verpasst. Der 24-Jährige hatte hinter dem Spanier Juan Manuel Garate den Gipfel des 1912 m hohen Bergriesen erreicht.

"Es gab Kräfte, die gegen mich gearbeitet haben"

"Das Foto in Paris ist historisch", sagte Contador und ergänzte mit Blick auf den erbitterten Zweikampf gegen seinen Teamkollegen Armstrong: "Ich habe zwei Siege errungen - einmal die Tour und einmal im Teamhotel. Es gab Kräfte, die gegen mich gearbeitet haben, aber ich habe mich duchgesetzt."

In der Tat hatte Armstrong nichts unversucht gelassen und die Team-Hierarchie immer wieder infrage gestellt, am Ende musste sich der Texaner im Kampf der Generationen geschlagen geben. "Für einen alten Veteranen wie mich ist es nicht so schlecht, Dritter hinter diesen jungen Kerlen zu werden. Ich kann nicht klagen", meinte der 37-Jährige und hakte die dreiwöchige "Tour de Lance" als vollen Erfolg ab.

Auch Armstrong ein Gewinner

In der Tat durfte sich Armstrong als Gewinner fühlen. Zwar hatte er den Kampf um die Tour-Krone gegen seinen verhassten Rivalen Alberto Contador klar verloren, die Herzen der französischen Fans auf seine alten Tage aber doch noch gewonnen.

Als Gewinner durfte sich auch Martin fühlen. Mit einer zwölftägigen Triumphfahrt im Weißen Trikot des besten Nachwuchsprofis hatte der deutsche Tour-Debütant schon alle Erwartungen übertroffen. Und beinahe wäre ihm der große Coup auch noch geglückt, doch auf dem Ventoux musste er sich im Finish gegen den spanischen Mitausreißer Juan Manuel Garate geschlagen geben.

Dabei war es wohl die Unerfahrenheit Martins, die den ersten deutschen Sieg auf dem "Riesen der Provence" verhindert hatte. "Garate hatte den Vorteil, dass er das Finale besser kannte. Es waren keine Meterangaben angebracht. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das Ziel direkt hinter der Kurve kommt", erklärte der Youngster, der viel zu spät den Sprint angezogen hatte.