2009.08.03 Neuss : Mainz entlässt Trainer Andersen

Bundesligist FSV Mainz 05 hat sich nach dem Erstrundenaus im Pokal von Trainer Jörn Andersen getrennt. Nachfolger des Norwegers wird der bisherige U19-Trainer Thomas Tuchel.

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Jörn Andersen ist nicht mehr Trainer in Mainz

Andersens Märchen in Mainz bleibt ohne Happy End: Die neue Saison der Bundesliga hat noch nicht begonnen, da ist die Ära von Trainer Jörn Andersen beim Aufsteiger FSV Mainz 05 bereits Geschichte. Die Entlassung des Norwegers drei Tage nach der Pokalpleite beim Viertligisten VfB Lübeck (1:2 n.V.) und fünf Tage vor dem ersten Punktspiel am Samstag bei Bayer Leverkusen wegen des angeblich zerrütteten Verhältnisses zu den Profis sorgt zugleich für ein Novum: Noch nie in der Historie der Bundesliga wurde ein Coach vor Saisonbeginn entlassen.

"Wir haben diese Entwicklung beobachtet, intern ausführlich diskutiert und Jörn Andersen in einigen Gesprächen unsere Vereinsphilosophie klar gemacht. Am Ende müssen wir festhalten, dass seine und unsere Vorstellungen von der gemeinsamen Arbeit nicht mehr miteinander vereinbar waren", erklärte FSV-Präsident Harald Strutz: "Da ist es konsequenter und auch ehrlicher, einen klaren Schnitt zu machen, als eine Entscheidung mit halbgaren Treueschwüren aufzuschieben."

Neuer Trainer der Mainzer, die auch Andersen-Assistent Jürgen Kramny vor die Tür setzten, wird der bisher noch weitgehend unbekannte U19-Trainer Thomas Tuchel. Der 35 Jahre alte Ex-Profi, der für die Stuttgarter Kickers von 1992 bis 1994 in der 2. Liga spielte und der zuletzt mit seinem Nachwuchs-Team den Meistertitel gewann, wurde während einer Pressekonferenz am Montagnachmittag vorgestellt und soll einen Zwei-Jahres-Vertrag erhalten. Er wird der jüngste Bundesliga-Trainer der kommenden Saison sein.

Überraschter Tuchel "lebt seinen Traum"

"Ich lebe meinen Traum", sagte Tuchel, der am Dienstag um 10.00 Uhr zum ersten Mal als Chef im Training auf dem Platz stehen wird. Um den neuen FSV-Trainer hatte sich zuletzt der neue deutsche U21-Trainer Rainer Adrion bemüht. Doch Tuchel ("Es ist eine riesige Überraschung für mich, so schnell in eine solch verantwortungsvolle Position zu kommen") erhielt vom FSV keine Freigabe für den Assistenz-Posten beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Die FSV-Chefetage hatte sich bereits bei einer Vorstandssitzung am Sonntag einstimmig für den Rauswurf von Andersen entschieden. Der 46-Jährige, der am 20. Mai 2008 als Nachfolger der Mainzer Ikone Jürgen Klopp präsentiert wurde und mit den Rheinhessen gleich in seiner ersten Saison den Aufstieg in die Eliteklasse schaffte, war nicht erst seit dem blamablen Pokal-Aus in die Kritik geraten.

"Wir haben als Mainz 05 ein klares Anforderungsprofil, wie ein Trainer mit der Mannschaft und im Verein arbeiten soll. Unsere Stärken sind Teamwork, die Nähe zur Mannschaft und die interne Kommunikation. Unser Ansatz und der von Jörn Andersen haben nicht mehr übereingestimmt, weil der Trainer sich in eine andere Richtung entwickelt hat", begründete Manager Christian Heidel die Entlassung Andersens.

Damit gab Heidel den Kritikern recht, die dem Ex-Trainer zuletzt vorgeworfen hatten, dass das Verhältnis zwischen ihm und den Profis zerrüttet sei und dass er falsch trainiere. Andersen wird unter unter anderem teilweise dafür verantwortlich gemacht, dass beim FSV während der Saison-Vorbereitung zwischenzeitlich 14 Profis verletzt ausfielen.

Andersen: "Keine gemeinsame Linie mehr"

Andersen, der noch am Sonntag beim Pokalspiel zwischen Regionalligist Eintracht Trier und Bundesligist Hannover 96 (3:1) als FSV-Beobachter auf der Tribüne saß, zeigte sich enttäuscht: "Wir haben lange zusammengesessen. Aber wir haben in unseren Auffassungen über die gemeinsame Arbeit keine gemeinsame Linie mehr gefunden. Das ist sehr schade, ich bedauere die Entscheidung des Vereins sehr. Wir gehen nicht im Bösen auseinander."

Für die Mannschaft kam die Entlassung Andersens offenbar überraschend. "Die Entlassung kam aus dem Nichts", erklärte Abwehrspieler Niko Bungert.