2009.08.04 Neuss : Rekordliga erwartet heißen Titel-Tanz

Am Freitag beginnt nach 76-tägiger Sommerpause die neue Saison der Bundesliga. Meister VfL Wolfsburg und der VfB Stuttgart eröffnen die 47. Spielzeit, die neue Rekorde verspricht.

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Will mit dem VfL Wolfsburg den Titel verteidigen: Trainer Armin Veh

Salami-Spieltage, neun Klubs mit neuen Trainern und ein heißer Titel-Tanz für den generalüberholten FC Bayern: In neuem Gewand, attraktiv und spektakulär wie selten zuvor geht die Bundesliga in ihre 47. Spielzeit. Titelverteidiger VfL Wolfsburg und Geheimfavorit VfB Stuttgart eröffnen am Freitag (20. 30 Uhr/live bei Sky und in der ARD) nach 76-tägiger Sommerpause die neue Saison, die jede Menge Spannung verspricht und zudem ein überaus interessantes Nachspiel haben wird - die WM 2010 in Südafrika.

"Im Moment sehe ich mindestens fünf, sechs Kandidaten, die oben dabei sein wollen - wir natürlich auch. Klar, dass die Bayern immer als Erste zu nennen sind", sagte Wolfsburgs neuer Trainer Armin Veh und ist sich in der Favoritenfrage mit allen seinen Kollegen einig. Der neue Bayern-"General" Louis van Gaal ist nach einer verkorksten Saison des Rekordchampions unter Jürgen Klinsmann allerdings zurückhaltend: "Mein Ziel ist ein Titel - und besseren Fußball spielen zu lassen. Ich denke nicht, dass das so einfach ist. Wir müssen um die Meisterschaft hart streiten."

Erste Trainerentlassung schon vor Saisonbeginn

Veh und van Gaal sind nur zwei von neun Trainern, die neu bei ihren Klubs sind. Allein drei weitere Liga-Schwergewichte setzen auf frischen Wind: Schalke 04 mit Meistercoach Felix Magath, der Hamburger SV mit Bruno Labbadia und Bayer Leverkusen mit "Oldie" Jupp Heynckes. Hinzu kommen noch der 1. FC Köln mit Zvonimir Soldo, Eintracht Frankfurt mit Michael Skibbe, Borussia Mönchengladbach mit Michael Frontzeck und Aufsteiger FSV Mainz 05 mit Thomas Tuchel. Der "Karnelvalsverein" leistete sich den Luxus, fünf Tage vor dem ersten Punktspiel am Samstag in Leverkusen Jörn Andersen zu entlassen.

Unter besonderer Beobachtung steht Meistermacher Magath. Der Erfolgstrainer wurde auf Schalke mit einer immensen Machtfülle ausgestattet und hat sich ein Titel-Ultimatum bis 2013 gestellt. Mit Blick auf die kommende Saison ist Magath defensiv und rechnete zudem mehrfach mit dem "alten" FC Schalke ab: "Auch ich muss mich erst daran gewöhnen, dass wir keinen Tempofußball wie in Wolfsburg spielen. Ich möchte immer, dass wir schnell nach vorne spielen. Doch das ist den Spielern jahrelang anders erzählt worden."

Wolfsburg, Stuttgart und Hamburg Mitfavoriten

In der Tat gehören die Schalker zunächst nicht in den Kreis der Mitfavoriten. Dort stehen eher die Stuttgarter, die sich mit Rückkehrer Alexander Hleb und dem russischen Nationalstürmer Pawel Pogrebnjak als Ersatz für Mario Gomez gut verstärkt haben, sowie Wolfsburg mit seinem "magischen Dreieck" Grafite, Edin Dzeko und Zvjezdan Misimovic. Auch Pokalsieger Werder Bremen geht nach einer verkorksten Saison (Platz zehn) ebenso wie Nordrivale HSV mit dem Ex-Münchner Ze Roberto ambitioniert ins Rennen.

Aber nicht nur die Bayern-Jäger haben sich Qualität ins Haus geholt, sondern vor allem der Rekordmeister selbst. Die Münchner, bei denen Uli Hoeneß am 31. Dezember sein Manageramt niederlegen will, haben erneut mehr investiert als irgendein anderer Konkurrent.

177 Millionen Euro Transferausgaben

Allein für Nationalstürmer Gomez muss der Topfavorit bis zu 35 Millionen Euro zum VfB Stuttgart überweisen. Insgesamt etwa 177 Millionen Euro gaben die Klubs bislang für neue Spieler aus - 50 Millionen mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Bis zum Ende der Wechselfrist am 31. August könnte der Sommer-Transferrekord geknackt werden, der vor der Saison 2007/2008 mit Ausgaben von 204 Millionen Euro erzielt wurde.

Auch wegen der Neuen boomt die Liga weiter. "Die Saison wird abwechslungsreich und spannend. Sie wird wieder viel Dramatik bieten. Es wird wohl einen Dauerkartenrekord und vielleicht zum achten Mal in Folge einen Zuschauerrekord geben", sagte Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung, dem SID.

Anzeichen, dass die Begeisterung unter der umstrittenen Neustrukturierung der Spieltage leiden könnte, gibt es nicht. Auf Druck von Pay-TV-Sender und Rechteinhaber Sky (ehemals Premiere), der allein für die kommende Spielzeit 225 Millionen Euro bezahlt, wird ab sofort auch samstags um 18.30 Uhr und sonntags um 15.30 Uhr gespielt. Konkurrenz erhält Sky von Telekom-Tochter "Liga total!", die via IPTV und Handy mit Johannes B. Kerner als Zugpferd an den Start geht.

Insgesamt wird die Liga in den kommenden vier Spielzeiten über ihre Medienvermarktung 1,65 Milliarden Euro einnehmen - zu wenig, so meinen viele, um die Lücke zu den dominierenden Ligen aus Spanien und England zu schließen.