2009.08.05 Neuss : Neue Olympia-Pläne sorgen für Wirbel bei Kanuten

Der Kanu-Weltverband hat beantragt, den 200-Meter-Einerkajak der Frauen ins olympische Programm aufzunehmen. Dafür soll 500-Meter-Zweiercanadier der Männer gestrichen werden.

dok
Die olympischen Kanu-Wettbewerbe erfahren einschneidende Veränderungen

Die Kanuten haben eine Woche vor der WM mit neuen Plänen für die Olympischen Sommerspiele 2012 in London für einen Paukenschlag gesorgt: Der Weltverband ICF beantragte beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) klammheimlich eine Änderung des Rennsport-Programms.

Demnach sollen die Frauen den 200-m-Einerkajak als vierte Entscheidung dazu bekommen, dafür soll der 500-Meter-Zweiercanadier der Männer gestrichen werden. Die Männer sollen außerdem künftig im Einer- und Zweierkajak über 200 Meter und nicht über 500 Meter paddeln.

Die viermalige Olympiasiegerin Katrin Wagner-Augustin sagte dem Sport-Informations-Dienst (SID) zu dem Vorstoß: "Für die Männer wäre es schade. Die 500 Meter waren sehr interessant. Da ging es um Taktik und Schnelligkeit. Bei den 200 Meter geht es nur noch um Schnelligkeit. Wir Frauen bekommen eine Strecke dazu, das ist natürlich schön."

Die Gesamtzahl von zwölf olympischen Disziplinen würde sich nicht ändern. Eine Entscheidung trifft das IOC wahrscheinlich bei einer Sitzung der Exekutive am 13./14. September in Berlin. Jens Kahl, Sportdirektor des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) und Mitglied der ICF-Rennsportkommission, gab die ICF-Pläne bei einem Pressetermin des deutschen WM-Teams in Duisburg bekannt. "Der Vorschlag wird wahrscheinlich durchgehen", sagte Kahl: "Das IOC hat deutlich zum Ausdruck gebracht, dass es die 200 Meter haben will."

Wieskötter: "Keine gute Entscheidung"

Verärgert war Kahl darüber, dass die Pläne nicht mit der internationalen Rennsportkommission abgestimmt wurden. "Man kann ändern, was man will. Die Ungarn und die Deutschen werden immer vorn sein", meinte Kahl außerdem. Wenn es zu einem Beschluss kommen sollte, müsste dies schon im WM-Programm 2010 beachtet werden.

"Das ging schnell. Bei den Männern ist es ein gravierender Einschnitt, bei uns Frauen ändert sich ja nicht so viel", sagte Olympiasiegerin Fanny Fischer. Olympiasieger Tim Wieskötter, lange Jahre im Zweierkajak mit Ronald Rauhe über 500 Meter das Maß aller Dinge, meinte: "Ich halte es für keine gute Entscheidung, über 500 Meter gab es immer spannende Rennen." Rauhe glaubt, dass sich die Athleten nun mehr spezialisieren müssen. Über 500 und 1000 Meter seien ja häufig die selben Leute am Start gewesen.

Die Frauen sind derzeit nur mit drei Disziplinen im olympischen Programm berücksichtigt. Gefahren wird über 500 Meter im Einer-, Zweier- und Viererkajak. Die 1000-Meter-Distanz gibt es bei Sommerspielen lediglich bei den Männern.

Vom kommenden Donnerstag bis Sonntag finden die Weltmeisterschaften in Dartmouth/Kanada mit insgesamt 27 Wettbewerben statt. Der nach Peking abgetretene ICF-Präsident Ulrich Feldhoff hatte ursprünglich umfangreiche Reformen erst für 2016 geplant.