2009.08.12 Neuss : Bei Fehlstart folgt ab 2010 die Disqualifikation

Ab 2010 dürfen sich die Sprinter in der Leichtathletik keinen Fehlstart mehr erlauben. Nach einem IAAF-Beschluss folgt nach verfrühtem Start die direkte Qualifikation.

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Die Leichtathletik hat die Null-Fehlstart-Regel beschlossen

Null Toleranz bei Fehlstarts, aber viel Spielraum für Doper: Anders als bei Olympia dürfen gedopte Leichtathleten auch künftig bei den ihren Sperren folgenden Weltmeisterschaften starten. Dagegen werden Sprinter, die zu früh aus den Blöcken gehen, ab 1. Januar 2010 sofort disqualifiziert. Der Kongress des Weltverbandes IAAF beschloss die "Null-Fehlstart-Regel" auf seinem 47. Kongress in Berlin (97:55-Stimmen).

Beschluss "gegen den Willen der Mehrheit der Athleten"

"Das ist ein Beschluss gegen den Willen der Mehrheit der Athleten", meinte Frankie Fredericks, ehemaliger 200-m-Weltmeister aus Namibia und Sprint-Berater des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Dagegen war IAAF-Council-Mitglied Helmut Digel, der als Chef der Marketingkommission in die Vergabe der Fernsehrechte eingebunden ist, erleichert: "Das war wichtig, wir brauchen endlich ein verlässliches Produkt, dass einen Zeitplan einhalten kann."

Seit 1. Januar 2003 gilt die derzeitige Regelung, nach der pro Rennen ein Fehlstart erlaubt ist. Erst beim zweiten vergeblichen Anlauf muss der Schuldige die Bahn verlassen - egal, ob er schon für den ersten Fehlstart verantwortlich war oder nicht. Diese Lücke in der Regel 162, Punkt 7 nutzen viele Athleten, um im ersten Versuch zu zocken, was vor allem von den Fernsehsendern kritisiert worden war.

Mit der beschlossenen Reform will sich die Leichtathletik im Wettstreit der Sportarten auf dem heiß umkämpften TV-Markt besser positionieren und zuschauerfreundlicher werden. Denn bei Fehlstarts zappt das Publikum regelmäßig weg.

"Die Einführung 2010 ist für die Athleten die Chance, sich daran zu gewöhnen. Im nächsten Jahr finden keine großen Meisterschaften statt", sagte IAAF-Präsident Lamine Diack (Senegal). Vor vier Jahren war der Vorschlag schon einmal der Vollversammlung der 213 IAAF-Mitgliedsländer vorgelegt worden. Damals kam es noch zu einer Vertagung.

Heftige Kritik übte Digel an der verpassten Chance im Anti-Doping-Kampf. Ein Antrag Schwedens, Ex-Doper von der folgenden Weltmeisterschaft auszuschließen, wurde nach kurzer Diskussion zurückgezogen. Rechtsexperten hätten von einer solchen Regelung abgeraten, hieß es. Sie sei leicht zu kippen: "Wir sollten nichts beschließen, was wir nicht durchsetzen können", meinte Diack.

"Immer nur tricksen. Die Weltmeisterschaften gehören doch uns. Wir hätten es probieren müssen", meinte der Tübinger Sportwissenschaftler Digel.

In den Startlisten für die am Samstag beginnende WM in Berlin stehen über ein Dutzend Ex-Doper. Darunter sind die beiden russischen Goldfavoritinnen Tatjana Lysenko (Hammer) und Natalja Sadowa (Diskus), die den beiden deutschen Titelverteidigerinnen Betty Heidler und Franka Dietzsch den Weg zu den Medaillen verstellen könnten.

Über zwei Dutzend Top-Athleten fehlen, weil sie aktuell gesperrt sind, dürfen aber 2011 in Daegu wieder starten, obwohl sie 2012 bei Olympia in London vom IOC ausgeschlossen werden.