2009.08.19 Neuss : Behrenbruch stellt sich Kubas Favoriten

Nach Silber durch Jennifer Oeser plant auch Pascal Behrenbruch im Zehnkampf den großen Coup. Die heißesten Titelanwärter kommen derweil aus Kuba: Leonel Suarez und Yordanis Garcia.

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Pascal Behrenbruch geht mit großen Hoffnungen in den Zehnkampf

Für Pascal Behrenbruch gibt es nur Alles oder Nichts. Wenn es läuft, ist das Supertalent der LG Frankfurt kaum zu bremsen. Geht etwas schief, wird der EM-Fünfte Behrenbruch schon mal zum Bruchpiloten und blamiert sich wie bei der WM-Qualifikation von Ratingen. "Doch für mich hat damals nur Berlin gezählt. Keine Frage: Ich will eine WM-Medaille", sagt der 25-Jährige, dessen Potenzial nach Ansicht vieler Fachleute klar jenseits der 8500 Punkte liegt. Mit 8374 Zählern ist er 2009 die Nummer vier unter jenen, die am heutigen Mittwoch in den Zehnkampf starten.

Die Königsdisziplin der Leichtathletik steht in Berlin vor einer neuen Ära. Denn die Multi-Talente aus der Karibik wollen in die Hegemonie der Etablierten einbrechen. Der Olympiadritte Leonel Suarez ist mit 8654 Punkten Erster der Weltrangliste, sein kubanischer Landsmann Yordanis Garcia, mit 18 schon WM-Achter 2007, gilt nicht erst seit der Steigerung auf 8496 Punkte und Rang drei unter den WM-Teilnehmern als Gold-Tipp für Olympia 2012 in London. Ein kubanisches Double verhindern wollen Trey Hardee (USA/8516), Tschechiens alternder Weltrekordler, Titelverteidiger und Olympiasechster Roman Sebrle (8348) sowie Weißrusslands WM-Zweiter Andrej Krawtschenko (8336).

Mindestens ein halbes Dutzend Kandidaten für eine Medaille

"Sechs oder sieben haben eine Chance auf Medaillen", glaubt der Behrenbruch, der nach dem Ausfall des Wattenscheider Weltranglistendritten Michael Schrader (Mittelfußbruch) die Hoffnungen des gebeutelten deutschen Zehnkampf-Teams trägt. Denn zuvor schon hatten der Berliner WM-Fünfte Andre Niklaus (Zehenverletzung) und der Ulmer 8300-Punkte-Mann Arthur Abele verletzt verzichtet. Doch das Reservoir in der einstigen Paradedisziplin ist groß: Auch Norman Müller (Halle/Saale), Achter unter den WM-Startern mit 8295 Punkten, will in Medaillennähe rücken.

Für Behrenbruch werden Weit- und Hochsprung wohl erneut zu Schlüsseldisziplinen. "Wenn ich mich hier in den Griff kriege, kann es auf jeden Fall über 8400 Punkte hinausgehen", sagt der Schützling von Jürgen Sammert. Seine Stab-Probleme hat der "Fast-Food-Fan", der eine problematische Jugend hatte ("Ich war ein absoluter Chaot"), offenbar überwunden. Dass Behrenbruch, der trotz 8242 Punkten 2008 Olympia verpasst hatte, ehrgeizige Ziele hat, zeigte sich die Tatsache, dass er nach den 8522 Punkten von Schrader angekündigt hatte, er wolle diese Leistung in Ratingen toppen und als bester Deutscher zur WM fahren.

Auch Müller hat Großes vor

Norman Müller hat im Trainingslager Kienbaum noch einmal an den technischen Fertigkeiten gearbeitet, auch die Kältekammer genutzt (bis 110 Grad minus). Der Schützling von Wolfgang Kühne, Dritter der Junioren-WM von 2004, sagt nach seiner Steigerung auf 8295 Punkte im Juni in Ratingen. "Natürlich strebe ich eine neue Bestleistung an, nur dann ist eine gute Platzierung möglich. Ich habe mehr drauf. Vor allem mit dem Diskus, über 400m will ich wieder um 48 Sekunden laufen", sagt der 1,95m große Modellathlet.

Moritz Cleve hatte bei seinen 8004 Punkten, die er im Mai als Sieger im texanischen Lubbock erzielt hatte, keine Ahnung, dass dies die WM-Norm bedeutete. Der dort um 600 Zähler verbesserte Journalismus-Student aus Manhattan/Kansas rückte dann im Juli für den ausgefallenen Schrader ins Team. Der gebürtige Ausburger, in Neuburg/Donau aufgewachsen, Absolvent des Sportgymnasiums Bochum-Wattenscheid, wird in seiner Wahlheimat von Cliff Rovelto und dessen Assistenten Tom Pappas trainiert. Es-Weltmeister Pappas (Paris 2003) schaffte den Sprung auf Rang zwei in der Welt mit 8569 Punkten eine Woche vor der WM zu spät, um für Berlin nominiert zu werden.