2009.08.19 Neuss : Für Mallow ist die WM schon jetzt ein Erfolg

DLV-Sportdirektor Jürgen Mallow hat die WM bereits zum Erfolg erklärt: "Wir haben erst Halbzeit, aber im Gegensatz zum Fußball werden wir nicht mehr als Velierer vom Platz gehen."

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WM schon jetzt ein Erfolg: DLV-Sportdirektor Jürgen Mallow

Ein Jahr nach dem Olympia-Desaster von Peking sind Deutschlands Leichtathleten wieder in Siegerlaune. Nach dem goldenen Speerwurf von Steffi Nerius zur vierten WM-Medaille verkündete DLV-Sportdirektor Jürgen Mallow: "Die Party geht weiter. Wir haben zwar erst Halbzeit, aber im Gegensatz zum Fußball wird der Deutsche Leichtathletik-Verband in Berlin nicht mehr als Verlierer vom Platz gehen."

Während DLV-Präsident Clemens Prokop nach den fünf deutschen WM-Medaillen von 2005 und den sieben von 2007 für 2009 neun Medaillen noch für möglich hält, wagt Mallow auch mit dem psychogischen Rückenwind des Erfolges keine Prognose für die zweite Halbzeit und warnt: "Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben."

Fest steht für Mallow, dass die DLV-Athleten mit ihren Leistungen auch abseits der Medaillen "das Bild der WM" prägen, dass sie unter den fünf besten Nationen rangieren, dass es auch nach dem Karriereende von Speerwerferin Steffi Nerius und Franka Dietzsch Vorbilder für den Nachwuchs gibt und sich die jungen Leute sehr gut in Szene setzen. Mallow: "Auch im Sprint ist Bewegung. Verena Sailer ist bei der WM die beste 100-m-Läuferin Europas. Ich bin sicher, dass es 2019 in Barcelona eine erfolgreiche EM gibt."

Ariane Friedrich soll für das nächste Highlight sorgen

Die Gold-Hoffnungen in der zweiten Halbzeit ruhen allein auf Hochspringerin Ariane Friedrich (LG Frankfurt), die am Donnerstag als Weltranglisten-Spitzenreiterin im Hochsprung (2,06) im voraussichtlichen Duell mit Kroatiens Weltmeisterin Blanka Vlasic als Favoritin gilt.

"Ich habe mich riesig über das Gold für Steffi Nerius gefreut. Jede Medaille der anderen ist auch gut für mein Gefühl", sagt die Hallen-Europameisterin, die natürlich weiß: Jetzt kann sie nicht mehr der "Sündenbock" für eine sieglose Heim-WM sein.

Alle anderen deutschen Medaillenchancen sind vage. "Aber wer hätte von Jennifer Oeser Siebenkampf-Silber erwartet?" fragt Mallow. Am Donnerstag könnte es im Optimalfall Zehnkampf-Bronze durch den oft unberechenbaren Pascal Behrenbruch (LG Frankfurt) geben.

Am Freitag ist nach dem Ausscheiden der dreifachen Diskus-Weltmeisterin und WM-Rekordteilnehmerin Franka Dietzsch (58, 44 m in der Qualifikation) eine kleine Hoffnung zerstoben - es sei denn, die Weltranglisten-Achte Nadine Müller (Halle/Saale) übertrifft ihre Saisonbestmarke (63,46) und tritt endgültig aus dem Schatten der Neubrandenburgerin. Oder der cool seine Chancen nutzende Raul Spank (Dresden/2,31) springt noch besser als beim fünften Rang von Olympia.

Am Samstag ruhen die Hoffnungen auf der gebürtigen Berlinerin Betty Heidler (LG Frankfurt), doch erst muss die nervlich nicht stabile Titelverteidigerin und Weltranglisten-Fünfte (75,83) am Donnerstag die Qualifikation überstehen.

"Wundertüte" Sebastian Bayer

Am vorletzten WM-Tag gibt es dann noch vage Chancen für Hallen-Europameister Sebastian Bayer (Bremen), für den angesichts etlicher Wettkämpfe unter acht Meter bis hinauf zu 8,49m (Rang vier in der Welt) vieles möglich scheint. Für eine Überraschung in Bronze könnten die Sprintstaffeln sorgen: immerhin sind die Frauen in 43,12 Weltranglisten-Dritte, die Männer in 38,40 Vierte.

Beim Finale am Sonntag gibt es nach dem WM-Verzicht von Marathon-Favoritin Irina Mikitenko (Tod des Vaters) auch in den 4x400-m-Staffeln (Platz 5 und 6 in der Welt) wohl nicht zu holen. Doch vielleicht bringt der Weitsprung mit einem Dutzend Medaillenkandidaten ja eine kleine deutsche Sensation.