2009.08.19 Neuss : "Wir wollen die Scharte von 2008 auswetzen"

Der Trainer der deutschen Rudermannschaft, Hartmut Buschbacher, fordert bei der am Wochenende beginnenden WM Wiedergutmachung für das schlechte Abschneiden bei Olympia.

rs
Die deutsche Rudermannschaft soll bei der WM Wiedergutmachung für Olympia betreiben

Cheftrainer Hartmut Buschbacher hat vor den am Samstag beginnenden Ruder-Weltmeisterschaften in Posen Wiedergutmachung für das enttäuschende Abschneiden der deutschen Flotte bei den Olympischen Spielen gefordert. "Wir wollen die Scharte von 2008 auswetzen und der Ruderwelt zeigen, dass wir zurück sind und wir es können", sagte Buschbacher im Interview des Sport-Informations-Dienstes (SID).

SID: "Am Samstag werden die Ruder-Weltmeisterschaften in Posen eröffnet. Sie haben sich mit dem deutschen Team in Ratzeburg intensiv vorbereitet. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft?"

Hartmut Buschbacher: "Wir sind relativ gut durch die Vorbereitung gekommen. Es gibt zwar bei dem einen oder anderen ein kleines Wehwehchen, aber es ist nichts Dramatisches. Wir sind froh, als ganze Mannschaft in Ratzeburg gewesen zu sein. Das kam bei Athleten und Trainern gut an. Wir hatten auch mit dem Wetter relativ gute Bedingungen. Das Miteinander hat in der Vergangenheit ein bisschen gefehlt. Das ist auch leistungsfördernd."

SID: "Dieses Miteinander ist neu. Sie sind jetzt knapp ein Jahr im Amt. Was hat sich sonst noch verändert?"

Buschbacher: "Seit meinem Amtsantritt gab es eine ganze Menge Arbeit. Wir haben die Strukturänderung durchgeführt, Aufgaben und Maßnahmen mit den einzelnen Trainern besprochen. Es ist gut, dass viele Trainer erkannt haben, dass wir uns ändern müssen. Da ist eine relativ straffe taktische Führung, und die Bundesstützpunkte werden bewertet. Es gibt jetzt eine klare Orientierung auf die individuelle Leistung, das heißt auch, die einzelnen Bootsklassen relativ spät festzulegen. Es gibt viele Bausteine, die bisher nicht so gegriffen haben. Bis 2012 wird es noch schwieriger, aber bisher lief es ganz gut. Vor einem Jahr hat sich keiner vorstellen können, dass wir jetzt eine einheitliche Struktur haben."

SID: "Die WM ist die erste echte Bewährungsprobe für Sie. Verspüren Sie Druck?"

Buschbacher: "Ich bin relativ ruhig. Ich nehme meine Sicherheit daraus, dass wir uns gut vorbereitet haben, auch wenn noch nicht alles optimal ist."

SID: "Bei der Heim-WM vor zwei Jahren in München blieben die deutschen Boote in den olympischen Klassen ohne Titel. In Peking gab es erstmals seit 52 Jahren kein Gold. Wie lautet nach diesen Enttäuschungen das Ziel für Posen?"

Buschbachrer: "Wir wollen die Scharte von 2008 auswetzen. Es gibt eine ganz klare Zielsetzung bis zu den Olympischen Spielen 2012. Die WM ist nur ein Schritt dorthin. Wir haben uns wieder ein bisschen an die Weltspitze rangearbeitet, aber es ist noch ein langer Weg. 2009 ist ein Aufbaujahr für 2012. Das Ziel ist, endlich in einem Olympiajahr erfolgreich zu sein. Wir wollen aber der Ruderwelt in Posen zeigen, dass wir zurück sind und wir es können. Wir werden die WM optimistisch angehen, es wird aber nicht einfach. Die Sportler müssen jetzt zeigen, was sie können. Sie sind relativ gut vorbereitet und ich erwarte, dass sie über sich hinauswachsen."

SID: "Welche Boote können ganz vorne mitfahren?"

Buschbachrer: "Der Achter ist sehr gut drauf. Da ist genügend Dampf drin, damit sie um Gold fahren können. Der Frauen-Doppelvierer ist stark, ebenso der Doppelzweier der Männer. Auch für den Männer-Doppelvierer ist eine Medaille drin."

SID: "Wir befinden uns in einem nacholympischen Jahr. Da legen viele Top-Athleten der anderen Nationen eine Pause ein. Wie bewerten Sie daher die Aussagekraft der WM?"

Buschbacher: "Wir wissen genau, dass nicht alle Top-Athleten dabei sind. Wir haben aber viele Boote der anderen Nationen auch noch gar nicht gesehen. Wir müssen auf uns schauen und unsere Leistungen verbessern."

SID: "Sie haben den Achter schon angesprochen. Wie wichtig wäre nach dem letzten Platz in Peking ein gutes Abschneiden des Paradebootes bei der WM?"

Buschbacher: "Wenn der Achter gut fährt, kann das dazu beitragen, dass die Leute wieder mehr Lust aufs Rudern bekommen und die Sportart wieder mehr wahrnehmen."