2009.08.20 Neuss : Friedrich: "Jetzt hängt's nicht mehr an mir"

Vor dem heutigen Hochsprung-Finale der Frauen gibt sich Ariane Friedrich entspannt. Mit der ersten deutschen Goldmedaille ist auch eine Last von ihren Schultern gefallen.

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Ariane Friedrich geht gut vorbereitet in das morgige Finale

Ariane Friedrich fiel ein Stein vom Herzen vor dem Hochsprung-Finale heute in Berlin (19.10 Uhr): "Ich habe mich unheimlich über das Speerwurf-Gold von Steffi Nerius gefreut. Das Schöne für mich persönlich ist, dass es jetzt nicht mehr an mir hängt, ob Deutschland in Berlin sieglos bleibt oder nicht - der Titel ist schon da."

Am Tag vor ihrem großen Finale, in dem fast alle Experten ein Duell zwischen der Weltranglisten-Ersten (2,06m) und Kroatiens Weltmeisterin Blanka Vlasic (2,05) erwarten, zog es die Hallen-Europameisterin der LG Frankfurt zurück nach Kienbaum. Eine Fahrstunde entfernt vom WM-Schauplatz wollte sich die 25-Jährige beim Krafttraining in der brandenburgischen Sportschule noch den letzten Pepp holen.

Kein Wettkampf ohne Frühstück mit dem Trainer

"Wir machen alles so wie immer vor einem wichtigen Wettkampf", sagt Günter Eisinger. Der Trainer und Manager führt das 1,79m große und nur 57,5 Kilo schwere Leichtgewicht seit Jahren besonnen. "Ihm vertraue ich voll", sagt die Polizei-Kommissarsanwärterin, und antwortet folgerichtig auf die Frage, was vor einem Wettkampf unbedingt sein muss: "Mit meinem Trainer frühstücken und die wichtigsten Punkte besprechen."

Eisinger hat mit der Studenten-Weltmeisterin festgelegt: "Wir frühstücken am Finaltag um 9 Uhr, dann folgt Entspannung. Zwei Stunden vor dem Wettkampf fahren wir ins Stadion."

Die Anfangshöhe wird dort erst beim Einspringen festgelegt. In der Qualifikation waren es 1,95m. "Es kommt drauf an, wie sich Ariane fühlt, ob es wider Erwarten regnet, wie der Wind ist." Eisinger versichert: "Wir haben keine Taktik. Und wenn wir eine hätten, würden wir sie nicht verraten."

"Im Finale geht die Post ab"

Wenn Ariane Friedrich im Finale ein kleines Jubiläum komplettieren kann, wäre das schon die halbe Miete - aber vielleicht noch keine Medaille. "Es wäre ihr 25. Wettkampf im 2-m-Bereich", sagt Eisinger, dessen Athletin in 19 Saisonwettkämpfen nur eine Niederlage erlitt: Im Juli bei gleicher Höhe von 2,03m gegen Blanka Vlasic, die trotz genähter Platzwunde am Kopf am Morgen des Vorkampfs wie Friedrich auf Anhieb mit 1,95m ins Finale flog.

Eisinger warnt erneut: "Alle, die im Finale sind, können gewinnen. Das hat man schon 1972 in München gesehen, denn Ulrike Meyfarths Goldmedaille hatte niemand auf dem Plan." Eisinger wird dennoch konkreter, denn er hat die Konkurrenz in der Qualifikation genau beobachtet: "Ungeachtet ihrer Fehlversuche verriet die Russin Anna Tschitscherowa ein enormes Potenzial, und auch die Spanierin Ruth Beitia kann gefährlich werden. Im Finale geht die Post ab."