2009.08.22 Neuss : Silber an der Spitze, Vettel Vierter

Direkt neben McLaren-Teamkollege Heikki Kovalainen startet Pole-Mann Lewis Hamilton in den Großen Preis von Europa in Valencia. Sebastian Vettel wurde im Qualifying Vierter.

pk
Auf der Pole: Weltmeister Lewis Hamilton

Kleiner Vorteil für Sebastian Vettel, böse Schlappe für Luca Badoer, strahlende Gesichter bei McLaren-Mercedes: Während Red-Bull-Pilot Vettel sich mit 32 Tausendstelsekunden Vorsprung direkt vor seinem WM-Rivalen Jenson Button Startplatz vier für den Großen Preis von Europa sicherte, holten Weltmeister Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen erstmals seit mehr als einem Jahr wieder eine silberne erste Startreihe für McLaren-Mercedes.

Lange Gesichter gab es dagegen bei Ferrari, wo Badoer abgeschlagen auf dem letzten Platz landete. Dem Ersatz-Ersatzpilot für den verletzten Felipe Massa half fast zehn Jahre nach seinem letzten Renneinsatz auch die moralische Unterstützung von Michael Schumacher nicht.

Nicht viel zu erwarten

"Es war von Anfang an klar, dass von Luca an diesem Wochenende nicht viel zu erwarten war", sagte der Rekordweltmeister, der eigentlich selbst Massa vertreten wollte, dann aber von den Nachwirkungen eines Motorradsturzes gestoppt wurde. Zudem nahm der 40-Jährige einigen Fans die Hoffnung, dass er vielleicht beim Ferrari-Heimspiel in Monza am 13. September doch in den Ferrari klettern könnte. "Ich habe natürlich nach wie vor Nachwehen von der Vorbereitungszeit. Deshalb denke ich da im Moment definitiv nicht daran", sagte der Kerpener bei RTL.

"Natürlich hätte ich lieber weiter vorne gestanden. Aber ich bin zufrieden, der vierte Platz war nach den Problemen am Morgen das Maximum für uns", meinte unterdessen Vettel, an dessen Auto vor dem Qualifying nach einem Motorschaden im freien Training noch das Triebwerk gewechselt werden musste. "Die Mercedes sind beim Start schwer zu schnappen", meinte der 22-Jährige, der am Freitag seinen Vertrag bei Red Bull bis Ende 2011 verlängert hatte und nach Bild-Informationen künftig mindestens zehn Millionen Euro pro Jahr verdienen wird, mit Blick auf die silbernen Zusatz-PS durch das KERS-System: "Unser Ziel ist es, sie zu schlagen, aber es wird schwer."

Während WM-Spitzenreiter Button, der mit 70 Punkten 23 Zähler vor Vettel (47) liegt, in der Startaufstellung direkt hinter dem Heppenheimer steht, musste sich Vettels Teamkollege Mark Webber mit Rang neun zufrieden geben. In der WM-Wertung ist der Australier vor dem elften von 17 Läufen Zweiter (51,5).

"Doppel-Pole ein Traum"

Mercedes-Sportchef Norbert Haug bejubelte unterdessen "einen Hammer": "Die Doppel-Pole ist nach unserem Sieg in Ungarn natürlich ein Traum." Zuletzt hatten am 3. August 2008 in Budapest zwei Silberpfeile in der ersten Reihe gestanden.

Nico Rosberg (Wiesbaden) landete im Williams-Toyota als zweitbester Deutscher auf Rang sieben und war angesichts einer "guten Strategie" zufrieden. Ein deutscher Dreierpack startet von den Plätzen elf, zwölf und 13. Nick Heidfeld aus Mönchengladbach im BMW-Sauber, Adrian Sutil aus Gräfelfing im Force-India-Mercedes und Timo Glock aus Wersau im Toyota hatten knapp die letzte Runde der Qualifikation verpasst.

Glock hatte allerdings schon vor der Zeitenjagd Grund zur Freude. Toyotas Motorsportdirektor John Howett sagte dem Sport-Informations-Dienst (SID), dass die Japaner sehr wahrscheinlich die Option auf den Hessen für 2010 einlösen und sich dafür möglicherweise von Teamkollege Jarno Trulli trennen werden. "Wenn Toyota die Option zieht, bin ich natürlich glücklich", sagte Glock.

Abgeschlagen Letzter

Weniger glücklich war unterdessen "Oldie" Badoer, der seine fehlende Streckenkenntnis anführte und ein 50. Formel-1-Rennen als Test für die folgenden Einsätze in Spa und Monza nimmt. Der 38 Jahre alte Italiener hatte fast 1,5 Sekunden Rückstand auf den Vorletzten, den 19-jährigen Spanier Jaime Alguersuari im Toro Rosso. Auf Teamkollege Kimi Räikkönen fehlten ihm sogar knapp 2,6 Sekunden.

Schon am Freitag war er nur in der Boxengasse richtig schnell und kassierte innerhalb von 34 Minuten drei "Knöllchen" für insgesamt 5400 Euro. Als er sogar noch ein viertes Mal geblitzt wurde, hatten die Rennkommissare offenbar Mitleid und beließen es bei einer Verwarnung.