2009.08.23 Neuss : Barrichello beendet Brawns Mini-Durststrecke

Rubens Barrichello hat beim GP von Europa seinen ersten Saisonsieg verbucht. Der Brasilianer ließ Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen hinter sich. Sebastian Vettel schied aus.

us
Rubens Barrichello fährt seinen ersten Saisonsieg ein

Als Rubens Barrichello nach dem ersten Sieg seit fünf Jahren am Steuer wie ein kleiner Junge heulte und seine Freude herausschrie, waren die Titelträume von Sebastian Vettel bereits in Rauch aufgegangen. Der zweite Ausfall in Folge warf den Heppenheimer im Hafen von Valencia im Kampf um die Formel-1-Krone weiter zurück. Stattdessen schob sich der sichtlich bewegte Barrichello nach dem Großen Preis von Europa wieder auf Platz zwei der WM-Wertung. Sein Brawn-Kollege Jenson Button wurde zwar erneut nur Siebter, hat aber jetzt bereits 25 Punkte Vorsprung auf Vettel (47) und gehörte damit auch wieder zu den Siegern.

Enttäuschte Gesichter gab es bei McLaren-Mercedes. Die "Silberpfeile" gaben beim 250. gemeinsamen Rennen den möglichen 60. Sieg selbst aus der Hand, als die Boxencrew von Lewis Hamilton sich eine peinliche Panne leistete. Als der Weltmeister bereits in der Box stand, kamen die Helfer erst mit den Reifen aus der Garage gesprintet. Damit war der Weg frei für Barrichellos zehnten GP-Sieg - nach unglaublichen 1792 Tagen Durststrecke. Zuletzt hatte der 37 Jahre alte Brasilianer, der mit 54 Punkten auch in der WM-Wertung wieder an Vettel und dem als Neunten punktlosen Webber vorbeirückte, am 26. September 2004 noch im Ferrari in Shanghai triumphiert.

Noch in der Auslaufrunde ließ "Rubinho" nach dem 100. Sieg eines Brasilianers seinen Tränen freien Lauf und bedankte sich emotional bei seinem Team. Deutlich gefasster meinte er später in der Pressekonferenz. "Das ist fantastisch, dieses Wochenende werde ich nie vergessen. Ich wünschte, dieser Augenblick würde ewig dauern. Am liebsten würde ich bis Montag hier sitzen bleiben", sagte er.

Vettels Motorenproblem

"Der erste Stopp war schon Mist, weil kein Benzin ins Auto geflossen ist. Da war mein Rennen eigentlich schon dahin. Danach musste ich aufgeben. Es scheint, dass etwas am Motor war", sagte unterdessen der enttäuschte Vettel, dem jetzt im Saisonendspurt auch noch die Motoren auszugehen drohen. In Valencia nutzte er nach einem Schaden im freien Training am Samstag schon das sechste neue Triebwerk und hat für die letzten sechs Rennen nur noch zwei neue Motoren in Reserve. Sollte er noch mehr Motoren benötigen, drohen Rückversetzungen um zehn Startplätze.

"Wenn man den Titel gewinnen will, ist das natürlich gegen Ende der Saison keine gute Sache, denn es wird knapp werden. Wie eng, das werden wir sehen", hatte Vettel bereits vor dem Start gesagt. Allzu frustriert war der 22-Jährige, der erst am Freitag seinen Vertrag bei Red Bull bis 2011 verlängert hatte, dennoch nicht, weil der Ausfall nicht in seiner Hand lag. "Von meiner Seite aus hätte ich nicht viel mehr machen können. Wenn ich das Auto in die Mauer gestopft hätte, wäre es viel schlimmer gewesen", sagte Vettel, fügte allerdings zerknirscht hinzu: "Aber in der WM wird es nun natürlich schwieriger."

Badoer kann Massa nicht ersetzen

Hinter Barrichello und Hamilton komplettierte wie zuletzt in Ungarn Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen (Finnland) als Dritter das Siegerpodest. Dessen Teamkollege Luca Badoer (Italien), der anstelle von Rekordweltmeister Michael Schumacher den verletzten Felipe Massa (Brasilien) vertrat, landete nach einem enttäuschenden Rennen überrundet auf dem 17. und damit vorletzten Platz.

Nico Rosberg (Wiesbaden) fuhr als Fünfter zum siebten Mal in Folge in die Punkteränge und behauptete mit 29,5 Punkten vor Hamilton (27) seinen fünften Platz in der WM-Wertung. Dagegen gingen Adrian Sutil (Gräfelfing) im Force-India-Mercedes und Nick Heidfeld (Mönchengladbach) im BMW-Sauber auf den Plätzen zehn und elf ebenso leer aus wie Timo Glock (Wersau) im Toyota auf Position 14. Glock tröstete sich lediglich noch mit der schnellsten Rennrunde, was ihm erstmals in der "Königsklasse" gelang.

Vettel büßte bei Start bereits einen Platz ein

Beim Start, bei dem die beiden "Silberpfeile" gleich vorne weg fuhren, hatte Vettel einen Platz an Kimi Räikkönen im KERS-unterstützten Ferrari verloren, war aber trotz eines Angriffs vor Button geblieben. Der Brite verlor dadurch etwas an Boden und fiel sogar bis auf Rang acht zurück. Weil er später auch noch Webber vorbeilassen musste, nachdem er im Zweikampf mit dem Australier in einer Schikane abgekürzt hatte, fand sich der WM-Spitzenreiter sogar nur auf Position neun wieder. Allerdings hielt er Sichtweite zu dessen Red Bull.

Die hatte an der Spitze Kovalainen schnell verloren, da Teamkollege Hamilton seinen Vorsprung kontinuierlich ausbaute. Vettel hing hinter Räikkönen fest, der das Tempo des Spitzentrios nicht mitgehen konnte.

Vettels "schwarzer" Sonntag

Als Vettel wie Spitzenreiter Hamilton in der 16. Runde zum ersten Mal an die Box fuhr, nahm das Unheil seinen Lauf. Weil die Tankanlage nicht richtig funktionierte, musste der Heppenheimer eine Runde später nochmal die Boxengasse ansteuern und wurde dadurch bis auf Platz 16 durchgereicht. In Runde 24 war dann endgültig Feierabend für Vettel, als sein Auto mit einer Rauchwolke am Heck ausrollte.

Als McLaren-Mercedes sich dann beim zweiten Stopp von Hamilton auf Risiko setzte, dabei aber patzte und die beiden Vorderreifen nicht rechtzeitig bereit hatte, witterte der inzwischen auf Rang zwei vorgerückte Barrichello seine Chance. Mit zwei schnellen Runden fuhr der Routinier bis zu seinem zweiten Stopp in Runde 39 so viel Vorsprung auf Hamilton heraus, dass er deutlich vor dem Briten wieder auf die Strecke zurückkam.