2009.08.23 Neuss : Lob von allen Seiten für Berlin

Die Bilanz der Leichtathletik-WM in Berlin fällt durchgehend positiv aus. Finanzen, Einschaltquoten, Organisation und mit Abstrichen auch Zuschauerzahlen sorgten für Begeisterung.

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Die Leichtathletik-WM in Berlin war ein voller Erfolg

Berlin feiert sich für seine WM: Der Regierende Bürgermeister schwärmt, das WM-OK jubelt und der Weltverband lobt. "Diese WM sollte Impulse geben für den deutschen Sport und die Leichtathletik. Ich denke, das ist ihr gelungen", sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit am letzten der neun Wettkampftage in seiner euphorischen Bilanz.

"Diese WM hat nur Gewinner", befand Leichtathletik-Präsident Clemens Prokop, mit Wowereit zusammen auch Präsident des WM-OK. Eine "Punktlandung" stellte OK-Geschäftsführer Frank Hensel bei der Abrechnung der Finanzen in Aussicht. Am Ende könnte der eingeplante 20-Millionen-Euro-Zuschuss des Landes Berlin reichen, um den 44-Millionen-Etat ausgeglichen zu gestalten. Sonst müssten der Deutsche Leichtathletik-Verband und der Berliner Senat nachverhandeln.

400.000 verkaufte Tickets, 515.000 Zuschauer im Stadion, 1,6 Millionen bei den Straßen-Wettbewerben rund um das Brandenburger Tor und Rekord-Einschaltquoten im Fernsehen. Die Zahlen sprechen für gute Arbeit des WM-OK, auch wenn das Stadion manchmal nur halbvoll war. Aber eben halbvoll und nicht halbleer, wie Wowereit betonte.

Weniger Zuschauer als erhofft

"Wir haben uns mit 500.000 Besuchern ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Vielleicht war es zu hoch, ich hätte mir schon ein bisschen mehr Tagesgeschäft gewünscht. Aber der Stimmung tat das keinen Abbruch", sagte der SPD-Politiker. Die Zuschauer in der nur am vorletzten Samstag ausverkauften Arena feierten sich und die Athleten. Sachkundig, fair, begeisterungsfähig.

Einen noch besseren Besuch verhinderten allerdings die stolzen Eintrittspreise, auch wenn Prokop versicherte: "Sie sind in etwa im Preisniveau von Stuttgart geblieben." Problematisch erwies sich auch der Verkauf der Logen, deren Auslastung nur bei 65 Prozent lag. Prokop vermutete: "Ursache war wohl die Wirtschaftskrise."

Lob kam vom Weltverband: Von einer "exzellenten Weltmeisterschaft" sprach IAAF-Präsident Lamine Diack. "Berlin hat in allen Punkten meine Erwartungen erfüllt", sagte der Senegalese und bedankte sich ausdrücklich bei Wowereit: "Ich freue mich, dass er durchgehalten hat. Obwohl Berlin 2002 durchfiel, hat sich die Stadt noch einmal beworben. Dadurch haben wir eine sehr, sehr schöne WM erlebt." Gerade zu euphorisch meinte Diack: "Berlin, es war wunderschön. Danke!"

1984 Athleten aus 201 Ländern

Mit letztlich 1984 teilnehmenden Athleten aus 201 Ländern wurde es sogar eine Rekord-WM. Die Bestmarken standen zuvor bei 1882 Sportlern (1997 in Athen) und ebenfalls 201 Nationen (1999 in Sevilla).

Auch DOSB-Präsident Thomas Bach war angetan von den neun Tagen. Die WM sei eine weitere Perle in der Kette von sympathischen und hervorragend organisierten Weltmeisterschaften in den vergangenen Jahren in Deutschland, sagte er. "Es war die erneute Bestätigung, dass wir ein offenes und freundliches Land sind und wird auch Rückenwind für die Olympiabewerbung Münchens bringen."

Ein voller Erfolg war die WM für die TV-Anstalten. Bei den Abend-Übertragungen von ARD und ZDF schalteten täglich im Schnitt zwischen fünf und sechs Millionen Zuschauer den Fernseher ein. Die Top-Quote der WM erzielte das ZDF am ersten Sonntag bei Usain Bolts Fabel-Weltrekord über die 100m mit durchschnittlich 9,92 Millionen Zuschauern, was einem sensationellen Marktanteil von 33,4 Prozent entsprach. Zahlen, die der olympischen Kernsportart Leichtathletik hinsichtlich ihrer Zukunft im deutschen Fernsehen enormen Rückenwind verschaffen.