2009.08.23 Neuss : "Nachwehen" lassen an "Schumi"-Comeback zweifeln

Die Fans müssen ein Comeback von Michael Schumacher im Formel-1-Renner wohl endgültig abhaken. "Ich habe nach wie vor Nachwehen von der Vorbereitungszeit", erklärt "Schumi".

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Michael Schumacher in Valencia

Der Nacken schmerzt, das Herz blutet - die Formel-1-Karriere von Rekordweltmeister Michael Schumacher ist wohl endgültig vorbei. Der gescheiterte Comebackversuch für Valencia hat dem 40 Jahre alten Kerpener gezeigt, dass sein Körper nach dem schweren Sturz mit dem Motorrad im Februar den Belastungen in der Königsklasse nicht mehr standhält - und schon gar nicht beim Ferrari-Heimspiel am 13. September in Monza, worauf viele Fans insgeheim noch gehofft hatten.

"Denke da im Moment definitiv nicht daran"

"Ich habe nach wie vor Nachwehen von der Vorbereitungszeit. Das hat sich jetzt noch nicht normalisiert. Deshalb denke ich da im Moment definitiv nicht daran", sagte Schumacher am Rande des Großen Preises von Europa, wo er den beiden deutschen Fernsehsendern RTL und Sky Rede und Antwort stand.

Nach dem Unfall des Brasilianers Felipe Massa in Budapest wollte Schumacher einspringen und hatte für die Rückkehr nach fast drei Jahren Pause trainiert. Nach einem Testtag in Mugello waren aber wieder Schmerzen im Nacken aufgetreten. Untersuchungen bei seinem Leibarzt Johannes Peil zeigten danach, dass der Übergang zwischen Schädel und Wirbelsäule nach dem Bruch immer noch nicht ausreichend stabil ist. Ein erneuter Bruch könnte im schlimmsten Fall sogar tödlich enden.

"Wenn man gewisse Situationen erlebt, so wie ich sie erlebt habe, dann hat man eben Nachwehen, die länger als sechs Monate andauern. Das war von vornherein klar. Nur welchen Einfluss und Effekt sie im Formel-1-Auto haben würden, das war eben nicht klar", sagte Schumacher.

Der siebenmalige Champion hatte schon wieder intensiv Sport getrieben und geglaubt oder zumindest gehofft, dass es funktionieren würde. Bis ihm die Testfahrt vom Gegenteil überzeugte: "Ich habe verschiedene Sachen schon wieder gemacht, Kartrennen zum Beispiel. Aber selbst mein Nackentrainingsgerät hat nicht annähernd das herbeigeführt, was der eine Test gezeigt hat."

Nach der geplatzten Rückkehr freut sich Schumacher allerdings über die angenehmen Begleiterscheinungen seines arbeitsreichen Sommers, in dem unter anderem auch der eine oder andere Sponsorenvertrag verlängert wurde. "Es ist auf jeden Fall ein schöner Nebeneffekt gewesen, wieder in Form zu kommen und auch das T-Shirt wieder ausziehen zu können", meinte Schumacher, dessen Ausdauer- und Fitnesswerte immer noch auf dem Niveau von 2006 waren.

Nun auf dem Fußballplatz "vernünftig aussehen"

"Ich habe es schon immer gut gefunden, wenn man halbwegs fit ist. Vor allen Dingen fängt demnächst meine Fußballsaison wieder an, und insofern möchte ich da auch auf dem Platz halbwegs vernünftig aussehen", meinte der erfolgreichste Formel-1-Pilot aller Zeiten: "Das heißt, ich mache alles das, was für mein privates Vergnügen notwendig ist, aber es ist nicht so, dass ich jetzt in meiner Nackenmaschine sitze oder mich auf irgendetwas vorbereite."

Dass Schumacher öffentlich ein späteres Comeback noch nicht kategorisch ausschließt, hängt wohl mit seiner Loyalität zu Ferrari zusammen. "Ich bin von der Ferrari-Familie noch immer sehr angetan. Man weiß nie, was noch passiert", sagte der Kerpener, nachdem Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo zuletzt öffentlich noch von einem dritten Ferrari mit Schumacher am Steuer träumte. Den Einsatz eines dritten Autos sehen die Regeln für 2010 allerdings überhaupt nicht vor.

Schumacher stellte klar, dass er nicht aus Langeweile sein Comeback versucht habe: "Ich bin nicht zurückgekommen, weil ich irgendwas vermisst habe, weil ich unbedingt fahren wollte, weil das in meinen Genen nun mal so vorhanden ist." Er habe Ferrari in einer schwierigen Lage helfen wollen: "Ich habe mein Leben mit der Familie genossen wie es gewesen ist. Ich habe meine Freiheiten gehabt. Dieses Wort Freiheit war mir immer sehr wichtig."