2009.08.24 Neuss : Mit der "7" in die Mission Titelverteidigung

Bei der Europameisterschaft in Finnland wollen die deutschen Fußballerinnen ihren Titel verteidigen. Heute startet die Mannschaft von Silvia Neid gegen Mitfavorit Norwegen.

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Erwartet Sieg gegen Norwegen: Trainerin Silvia Neid

Eine Zahl reicht für das große Glück: Wenn die deutschen Fußballerinnen am Montag im finnischen Tampere in das Unternehmen EM-Titelverteidigung starten, dann haben alle nur eine Ziffer im Kopf. "Die sieben soll unsere Glückszahl sein. Wir hatten zur Vorbereitung sechs Lehrgänge, das Turnier soll der siebte sein - und wir wollen den siebten EM-Titel holen", sagte DFB-Trainerin Silvia Neid vor dem Auftaktspiel des zweimaligen Welt- und sechsmaligen Europameisters gegen Mitfavorit Norwegen (16.00 Uhr MESZ/live in der ARD und bei Eurosport).

Neben der "7" sprechen allerdings auch noch andere Zahlen für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Die Deutschen sind seit 20 EM-Spielen ungeschlagen, haben die vergangenen vier EM-Turniere gewonnen und noch nie einen EM-Auftakt verloren. Zudem musste das DFB-Team beim letzten Triumph vor vier Jahren in England auch zunächst gegen Norwegen antreten. Dem 1:0 folgte beim Wiedersehen im Finale ein 3:1 gegen die Skandinavierinnen.

Norwegen mit neuem System

In der Vorbereitung auf die Partie der Gruppe B gegen den Weltmeister von 1995 und zweimaligen Europameister (1987 und 1993) spielten sogar noch mehr Zahlen eine wichtige Rolle im Lager der Deutschen. "Norwegen hat ein wenig umgestellt. Sie spielen nicht mehr in einem 4-3-3-System, sondern in einem 4-4-2-System. Sie erwarten sich so mehr Stabilität im Abwehrverhalten", analysierte Neid das 1:0 der Norwegerinnen beim letzten EM-Test am Mittwoch in Schweden, bei dem Videoanalyst Marco Diaz als "Spion" auf der Tribüne saß.

Von den Neuerungen des Gegners zeigte sich Neid, die sich mit ihren 22 Schützlingen am Samstagabend nach der Regelbesprechung mit Jaap Uilenberg (UEFA-Schiedsrichter-Kommission) beim Bowling noch einmal entspannte, allerdings nicht sonderlich beeindruckt. "Wir stellen unsere Taktik deshalb nicht um, sondern versuchen, deren Schwächen auszunutzen", erklärte Neid: "Wichtig ist, dass wir gesehen haben, dass sie schlagbar sind, wenn wir die Räume zwischen Mittelfeld und Abwehr nutzen."

Neid erwartet "ausgeglichenes Spiel"

Trotz der ausgemachten Schwächen beim Gegner, geht Neid von einer harten Bewährungsprobe aus. "Beide Teams wollen gewinnen. Es wird ein ausgeglichenes Spiel", meinte die 45-Jährige, deren Vermutung wiederum von Zahlen gestützt wird: Die bisherige Bilanz gegen die Skandinavierinnen ist bei 13 Siegen, 13 Niederlagen und fünf Unentschieden absolut ausgeglichen.

Doch obwohl angesichts dieser Bilanz und aufgrund des 0:2 der Deutschen beim bisher letzten Aufeinandertreffen vor rund einem Jahr auch eine Niederlage im Bereich des Möglichen ist, will sich Neid gar nicht erst mit einer Auftaktpleite beschäftigen. "Das würde natürlich den Druck erhöhen. Aber damit setze ich mehr erst auseinander, wenn es soweit sein sollte", sagte Neid, die definitiv auf Mittelfeldspielerin Simone Laudehr (Innenbandzerrung) verzichten muss.

Doch selbst bei einer Niederlage dürfte im deutschen Team, in dem 16 Weltmeisterinnen von 2007 stehen und das mit Erfolgen in Finnland die Werbetrommel für die WM 2011 in Deutschland rühren soll, keine Panik ausbrechen. Schließlich müssen nach der Vorrunde der EM, bei der erstmals zwölf statt wie bisher acht Mannschaften an den Start gehen, nur vier Teams die Heimreise antreten.

Eine Pleite könnte in den Partien gegen Frankreich (27. August, 16.30 Uhr MESZ/live in der ARD und bei Eurosport) und Island (30. August, 15.00 Uhr MESZ/live im ZDF und bei Eurosport) also wieder ausgebügelt werden.

DFB-Frauen durften nicht im Stadion trainieren

Eine UEFA-Entscheidung sorgte am Sonntag für Ärger beim deutschen Team. Der für den Spielort Tampere zuständige UEFA-Delegierte hatte den DFB-Frauen untersagt, das Abschlusstraining am Sonntag im Stadion durchzuführen. Als Grund wurde angegeben, dass der Rasen geschont werden müsse.

"Diese Entscheidung ist für mich nicht nachvollziehbar. Meiner Einschätzung nach wäre es durchaus möglich gewesen, im Stadion zu trainieren. Es gab seit unserer Ankunft ja keine schweren Regenschauer, die Wetterverhältnisse waren optimal", sagte DFB-Vizepräsidentin und Delegationsleiterin Hannelore Ratzeburg: "Wir haben den Platz zudem in Augenschein genommen und er ist unserer Meinung nach in einem sehr guten Zustand. Es hat sich zudem auf unserem Trainingsgelände in Lamminpää gezeigt, dass auch dieser Platz - trotz der noch viel höheren Beanspruchung - keinen Schaden genommen hat."