2009.08.25 Neuss : Schnusenberg nicht mehr Schalkes Finanzchef

Bundesligist Schalke 04 bildet den Vorstand um und vergrößert damit die Macht von Felix Magath. Präsident Schnusenberg wird zukünftig nur noch repräsentativ tätig sein.

dok
Josef Schnusenberg (l.) wird nur noch repräsentativ für Schalke 04 tätig sein

Der neue starke Mann Felix Magath erhält auf Schalke noch mehr Macht. Der Trainer und Manager übernimmt beim Bundesligisten Schalke 04 neben der sportlichen Leitung auch den Bereich Marketing, Präsident Josef Schnusenberg beschränkt sich bis zum Ende seiner Amtszeit 2010 nur noch auf repräsentative Aufgaben.

"Man hat mich geholt, um etwas zu verändern. Das gilt nicht nur für den sportlichen Bereich", sagte Magath dem Sport-Informations-Dienst (SID). Der Meistertrainer des VfL Wolfsburg, auch schon für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, wird nach Schnusenbergs Abschied allein mit Peter Peters den Schalker Vorstand bilden. Der ehemalige Journalist Peters übernimmt von Steuerberater Schnusenberg das Finanzressort. Er ist zudem für Organisation, Verwaltung und Personal zuständig.

Keine Veränderung an diesjähriger Finanzplanung

Auf die Finanzplanung für die laufende Saison hat die Umstrukturierung im Vorstand aber keine Auswirkungen. "Daran ändert sich nichts", sagte Magath. Für Neuverpflichtungen steht dem neuen Trainer-Manager nur dann Geld zur Verfügung, wenn er Spieler aus dem aktuellen Kader verkaufen kann.

Der langsame Rückzug Schnusenbergs, seit 1994 im Vorstand und seit 2007 Vorsitzender, ist offenbar auch eine Konsequenz aus der völlig verkorksten vergangenen Saison. Dem 68 Jahre alten Präsidenten, der schon bei der Trennung von Trainer Mirko Slomka im April 2008 massiv in die Kritik geraten war, wurde immer wieder schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen.

Schnusenberg nicht Alleinschuldiger

"Es liegt nicht immer nur am Trainer, wenn was schiefläuft", sagte Magath, "auch die Verantwortlichen im Verein müssen sich hinterfragen." Die Verantwortung für die katastrophale vergangene Saison soll aber nicht allein Schnusenberg zugeschoben werden. "Das an ihm festzumachen, ist Blödsinn", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies.

Mit Magath hatte Tönnies bereits bei den ersten Verhandlungen dessen Machtzuwachs vereinbart. "Wir wollen die Kräfte bündeln und uns nicht verzetteln", sagte der Aufsichtsratsboss, der den Wolfsburger Meistermacher im Alleingang zum sportlichen Chef auf Schalke gemacht hatte: "Wir setzen aber nicht allein auf die Karte Magath, wir setzen auf die Karte Magath und Peters."

"Operative Verantwortung in jüngere Hände legen"

Schnusenberg selbst fühlt sich nicht entmachtet. "Meinen Entschluss, 2010 aufzuhören, habe ich bereits seit längerer Zeit gefasst und auch öffentlich verkündet", sagte er: "Ich werde im kommenden Februar 69 Jahre alt. Da wird es Zeit, sich stärker um die anderen schönen Dinge des Lebens zu kümmern." Er habe ein sehr gutes Gefühl, "die operative Verantwortung nun in jüngere Hände zu legen".

Schnusenberg hatte in seiner Amtszeit maßgeblich dazu beigetragen, die Finanzen der Königsblauen zu konsolidieren und die 2001 eröffnete Arena aus eigener Kraft zu finanzieren. Im vergangenen Jahr verzeichnete Schalke allerdings einen massiven Gewinneinbruch, die Gesamt-Verbindlichkeiten nahmen nach der Aufnahme neuer Kredite von 106 auf 136,5 Millionen Euro zu.