2009.08.27 Neuss : Mit Adler, Neuer und Enke gegen Südafrika

Bundestrainer Joachim Löw hat für die beiden Länderspiele gegen Südafrika und Aserbaidschan die Torhüter Robert Enke, Rene Adler und Manuel Neuer berufen und verzichtet auf Tim Wiese.

dok
Rene Adler kehrt ins Aufgebot zurück

Schock für Tim Wiese, Punktsieg für Robert Enke: Im spannenden Rennen um die Nummer eins im Tor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat Bundestrainer Joachim Löw mit Blick auf den Showdown in der WM-Qualifikation gegen Russland in Moskau am 10. Oktober Farbe bekannt und den Bremer Torwart Wiese vorerst bis November aufs Eis gelegt. "Sehr verwunderlich. Mehr mehr möchte ich dazu gar nicht sagen", sagte der frustrierte Wiese, nachdem er vor dem Europa-League-Spiel der Bremer beim FK Aktobe in Kasachstan von seiner Nichtnominierung erfahren hatte, kicker online.

Während Löw dem Leverkusener Rene Adler bei der Bekanntgabe seines Kaders eine Einsatzgarantie für das Länderspiel gegen Südafrika am 5. September vor heimischer Kulisse erteilte, darf 96-Schlussmann Enke beim WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan vier Tage später in Hannover seine Pole Position weiter ausbauen.

"Das hört sich ganz gut an, aber ich will mir natürlich auch nicht zu sicher sein. Für mich ist nur wichtig, dass ich meinen eigenen Weg weitergehe", erklärte Enke, der wegen einer Handverletzung vor einem Jahr längere Zeit aus dem Blickfeld der Nationalmannschaft verschwunden war.

Allofs kritisiert Nichtnominierung von Wiese"

"Wie in den letzten Qualifikations-Begegnungen ist derzeit kein Wechsel vorgesehen. Für die beiden entscheidenden WM-Qualifikationsspiele gegen Russland in Moskau und gegen Finnland in Hamburg im Oktober werden wir uns in der Torwart-Frage natürlich kurzfristig entscheiden. Unser Ziel ist weiterhin der Gruppensieg", sagte Löw am Donnerstag nach der Bekanntgabe seines 23-köpfigen Aufgebots. Der Bundestrainer setzte Wiese als Torwart Nummer drei sogar noch U21-Europameister Manuel Neuer (Schalke 04) vor die Nase, nachdem er Wiese in der vergangenen Woche gegen Südafrika noch den ersten Einsatz für Deutschland von Beginn an in Aussicht gestellt hatte.

Rückendeckung erhielt der völlig niedergeschlagene Wiese am Donnerstag von Bremens Sportdirektor Klaus Allofs, der sofort zum Telefonhörer griff und sich bei DFB-Teammanager Oliver Bierhoff über den Umgang mit seinem Keeper beschwerte. "Es wird immer schwerer, den Spieler davon zu überzeugen, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Es ist das eingetroffen, was ich befürchtet habe. Tim war nun zweimal dabei, hat keine Chance bekommen. Und nun wird er nicht einmal mehr eingeladen", sagte Allofs kicker online.

Neben Wiese wurde auch dessen Bremer Teamkollege Torsten Frings erneut nicht eingeladen. Der in dieser Saison bislang starke Keeper Wiese, der zudem als einziger der für die WM infrage kommenden vier Torhüter mit seinem Klub in einem internationalen Wettbewerb vertreten ist, hat beim Vize-Europameister damit vor allem mit Blick auf den Showdown gegen Russland in Moskau schlechte Karten. Wiese soll dafür am 14. November beim Länderspiel in Köln gegen Chile zum Einsatz kommen, Neuer erhält am 18. November 2009 in Gelsenkirchen gegen Ägypten eine Bewährungschance. Diese beiden Länderspiele finden aber nur statt, wenn Deutschland nicht als Gruppenzweiter in die Play-offs muss.

"Wir haben uns nach einem intensiven Gedankenaustausch im Trainerteam bewusst langfristig festgelegt. Wenn alles normal läuft, wollen wir bis Ende des Jahres jedem unserer vier WM-Kandidaten die Chance geben, mindestens einmal über 90 Minuten zum Einsatz zu kommen. Das ist eine faire Regelung für alle", meinte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke.

Ob das Wiese genauso sieht, ist allerdings fraglich. Denn die anderen drei Keeper können sich nun auch im Training zehn Tage lang in den Vordergrund spielen. "Erstmals seit knapp einem Jahr ist unser Team wieder zehn Tage zusammen. Das bedeutet für uns, dass wir über einen längeren Zeitraum gezielt trainieren können, was für uns ganz wichtig ist. Deshalb bin ich sicher, dass wir an diesem Doppel-Spieltag in Leverkusen und Hannover im Vergleich zu den letzten Vorstellungen eine stark verbesserte Leistung zeigen werden. Wir wissen, wo wir zuletzt unser Potenzial nicht abrufen konnten", sagte Löw.

Khedira vor erstem Länderspiel

Erstmals in dieser Saison im Kader des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) stehen neben den Torhütern Adler und Neuer die beiden U21-Europameister Andreas Beck und Marko Marin sowie die zuletzt angeschlagenen Simon Rolfes und Lukas Podolski. Vor seinem ersten Länderspiel für die deutsche Nationalmannschaft steht zudem der Stuttgarter Sami Khedira, der zwar auch beim Hinspiel in Aserbaidschan mit dabei, aber nicht zum Einsatz gekommen war. Nicht berücksichtigt wurde überraschend auch der Leverkusener Stürmer Stefan Kießling, der nach drei Bundesliga-Spieltagen bereits drei Treffer auf dem Konto hat.

Die Nationalmannschaft trifft sich zur Vorbereitung auf die beiden Länderspiele gegen Südafrika und Aserbaidschan im Laufe des Montags in Köln. Am Dienstag steht zunächst ein Fitness-Test unter der Leitung von Mannschaftsarzt Tim Meyer und den Mitarbeitern des Sportmedizinischen Instituts Saarbrücken an, ehe am Mittwoch die ersten Einheit mit dem Ball auf dem Programm steht.