2009.08.28 Neuss : Vettel vor Spa: "Kämpfen bis zum letzten Atemzug"

Nach seinem Ausfall in Valencia beginnt bei Sebastian Vettel das Zittern. Der Red-Bull-Pilot bangt im Kampf um die WM-Krone um seine verbleibenden Motoren, will aber "kämpfen".

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Hofft auf Punkte und bangt um Motoren: Sebastian Vettel

In seinem Red-Bull-Team wachsen die Zweifel, für 2010 denkt man schon an den Wechsel des Motorenpartners, doch Sebastian Vettel hat trotz der Probleme mit den Renault-Triebwerken die Hoffnungen auf den WM-Titel noch nicht aufgegeben. "Ich werde kämpfen bis zum letzten Atemzug", sagt der Heppenheimer vor dem Großen Preis von Belgien in Spa (Sonntag, 14.00 Uhr/live bei RTL und Sky) und erhält dabei moralische Unterstützung von seinem früheren Förderer Gerhard Berger.

Nur noch zwei Motoren in petto

"Sein Auto ist gut und er wird wieder zuschlagen", sagt Vettels früherer Chef bei Toro Rosso dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Natürlich braucht er jetzt ein bisschen mehr Glück, aber gerade das hat Sebastian ja manchmal." 25 Punkte beträgt nach Vettels zweitem Ausfall in Folge der Rückstand auf WM-Spitzenreiter Jenson Button (Großbritannien) im Brawn-Mercedes, zudem hat er nach den Motorschäden Nummer fünf und sechs in dieser Saison für die letzten sechs Saisonrennen nur noch zwei neue Renault-Triebwerke zur Verfügung. Danach droht bei jedem neuen Motor die Rückversetzung um zehn Startplätze. "So kann man keine Rennen mehr, geschweige denn die WM gewinnen", sagte schon Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Kein Wunder, dass die Bullen sich für die kommende Saison um Mercedes-Motoren bemühen, die in diesem Jahr bislang sowohl bei McLaren-Mercedes als auch bei den Kundenteams Brawn und Force India nicht nur stark, sondern vor allem absolut zuverlässig waren. "Es gibt gute Argumente sowohl für die Verlängerung mit Renault als auch für einen Wechsel zu Mercedes", sagte Red-Bull-Berater Helmut Marko den Salzburger Nachrichten.

Mercedes-Sportchef Norbert Haug hatte dem SID in Valencia bestätigt, dass die Stuttgarter gerne ein viertes Team beliefern würden und dafür auch Kapazitäten hätten. Allerdings gäbe es dafür mehrere Interessenten, unter anderem Red Bull.

Schützenhilfe für den aktuellen Motoren-Kunden Brawn wollen die Silberpfeile im Saisonendspurt aber auf keinen Fall leisten. "Wir überlegen uns nicht, ob wir das Zünglein an der Waage sein könnten. Wir wollen unsere Ergebnisse optimieren", sagte Haug: "Wir werden weder für Brawn noch für Red Bull fahren. Wir fahren für uns. " Die Kundenbeziehung zu Brawn habe keinerlei Einfluss.

Button muss "stallinterne" Konkurrenz fürchten

Button (72 Punkte) muss unterdessen vor dem 12. von 17 WM-Läufen neben Vettel (47) und dessen Red-Bull-Kollegen Mark Webber (51,5) auch wieder seinen eigenen Teamkollegen Rubens Barrichello auf der Rechnung haben. Während der Brasilianer in Valencia erstmals nach 1792 Tagen wieder einen Sieg feierte und in der WM-Wertung auf Platz zwei (54) zurückkehrte, landete Button zum zweiten Mal in Folge nur auf Rang sieben.

In den letzten vier Rennen holte der sechsmalige Saisonsieger nur 11 von 40 möglichen Punkten. Gleich sechs Fahrer - Webber (24), Barrichello (19), Vettel, Nico Rosberg, Lewis Hamilton (alle 18) und Kimi Räikkönen (15) - waren im vergleichbaren Zeitraum erfolgreicher. Zudem droht dem Brawn-Piloten im kühlen Spa (14 Grad am Sonntag) wieder das alte Reifenproblem.

Noch größere Sorgen hat nur Ferrari - mit dem in Valencia enttäuschenden Ersatz-Ersatzpiloten Luca Badoer. Laut Teamchef Stefano Domenicali muss sich der 38 Jahre alte Italiener in Belgien deutlich steigern, sonst wird er für das Ferrari-Heimspiel am 13. September in Monza ersetzt.

Hülkenberg vor großem Sprung?

Möglicherweise durch GP2-Spitzenreiter Nico Hülkenberg aus Emmerich, der laut Manager Willi Weber bereit stünde. "Wenn Ferrari uns fragt, würden wir nicht nein sagen. Dann würden wir bei Williams um die Freigabe bitten", sagte Weber der Sport Bild.

Bei Williams steht der 22 Jahre alte Rheinländer in dieser Saison als Test- und Ersatzfahrer unter Vertrag. Weber spekuliert darauf, dass sein Schützling dort im nächsten Jahr sogar zum Stammpiloten aufrücken könnte, falls Rosberg das Team verlässt. Einen Kurz-Einsatz bei Ferrari sieht Weber da nicht als Hinderungsgrund: "Was sollte Williams dagegen haben, wenn sie 2010 einen Fahrer bekommen, der schon fünf Rennen Erfahrung mit Ferrari hat?"