2009.08.29 Neuss : Fisichella überrascht die Konkurrenz

Beim Qualifying zum Grand Prix in Belgien ist Giancarlo Fisichella auf die Pole gefahren. Sebastian Vettel landete auf Rang acht, Nick Heidfeld ist bester Deutscher auf Platz drei.

pk
Giancarlo Fisichella steht in Spa auf der Pole Position

Der krasse Außenseiter Giancarlo Fisichella top, die großen Favoriten Sebastian Vettel und Jenson Button ein Flop. Der Italiener Fisichella hat den Stars der Branche bei der verrückten Zeitenjagd von Spa die Show gestohlen und dem bislang eher mitleidig belächelten Force-India-Team die erste Pole Position in der Formel 1 beschert.

Red-Bull-Pilot Vettel konnte den Absturz von WM-Spitzenreiter Button auf Rang 14 nicht ausnutzen und steht beim Großen Preis von Belgien am Sonntag (14.00 Uhr/live bei RTL und Sky) nur auf Platz acht. "Ich hatte schon gehofft, dass ich weiter vorne stehe. Platz acht ist etwas herb - da steht man mittendrin. Das war heute eher suboptimal", sagte Vettel, der auch einen eigenen Fehler auf der dritten Runde einräumte: "Da musste ich dann abbrechen."

Neben Fisichella überraschten an diesem kühlen Samstag bei Temperaturen von nur 15 Grad noch dessen Landsmann Jarno Trulli im Toyota auf Position zwei und der Mönchengladbacher Nick Heidfeld auf Rang drei. Für den 32-Jährigen, dessen Arbeitgeber BMW-Sauber zum Saisonende aus der Formel 1 aussteigt, war es die bisher beste Startposition in dieser Saison. "Ich hoffe, dass dieses Resultat dem Team hilft, zu überleben. Es zeigt auch, dass wir den Kopf nicht in den Sand stecken", sagte Heidfeld.

Überfahrener Hase als Maskottchen

Fisichellas Team ahnte offenbar den Coup. "Ich habe am Morgen im freien Training leider einen Hasen überfahren. Meine Mechaniker meinten aber nur, das bringt in England Glück - das hat ja dann gestimmt", sagte der Römer. Für Fisichella ist es im 225. Rennen erst die vierte Pole Position. Zuletzt stand er am 19. März 2006 beim Malaysia-Grand-Prix in einem Renault ganz vorne.

WM-Spitzenreiter Button kommt derzeit einfach nicht in die Gänge. Der Brite kam im Brawn-Mercedes nicht über den 14. Rang hinaus. Damit läuft der 29-Jährige Gefahr, im zwölften von 17. WM-Läufen erstmals in dieser Saison nicht in die Punkteränge zu kommen. In der WM-Wertung profitierte Button zuletzt von Vettels Pech und liegt mit 72 Punkten noch immer deutliche 25 Zähler vor seinem deutschen Rivalen (47), der nur Platz vier einnimmt.

Buttons schärfster Verfolger ist Teamkollege Rubens Barrichello (Brasilien/54 Punkte), der zuletzt in Valencia erstmals nach knapp fünf Jahren wieder einen Grand Prix gewann. Barrichello startet in Spa von Position vier, der WM-Dritte Mark Webber (Australien) steht im zweiten Red Bull auf Rang neun. In der Gesamtwertung hat Webber 4,5 Zähler mehr auf dem Konto als sein Teamkollege Vettel.

Badoer erneut abgeschlagen Letzter

Als zweitbester Deutscher landete auch Toyota-Pilot Timo Glock (Wersau) als Siebter noch vor Vettel. Nico Rosberg (Wiesbaden) wurde im Williams-Toyota Zehnter. Deutsches Schlusslicht war an diesem Tag Fisichellas Teamkollege Adrian Sutil (Gräfelfing) auf Platz elf. Lange Gesichter gab es bei McLaren-Mercedes. Weltmeister Lewis Hamilton (Großbritannien), dessen Formkurve zuletzt nach oben gezeigt hatte, stürzte auf Position zwölf ab.

Eine peinliche Vorstellung lieferte erneut Ferrari-Ersatzfahrer Luca Badoer ab. Der Italiener, der zum zweiten Mal für den verletzten Felipe Massa (Brasilien) zum Einsatz kommt, steht wie schon bei seinem Saisondebüt vor 14 Tagen in Valencia nur auf dem 20. und letzten Startplatz. Zu allem Überfluss konnte der 38-Jährige das Qualifying noch nicht mal beenden, weil er sich auf der letzten Runde von der Strecke drehte und mit dem Heck seines roten Renners voran in die Streckenbegrenzung krachte.

Ob der langsame Badoer beim Ferrari-Heimspiel am 13. September in Monza eine weitere "Kostprobe" seines Könnens abliefern darf, scheint derzeit äußerst fraglich. Selbst der Traditionsrennstall zweifelt an seinem Angestellten. Auf der Ferrari-Homepage wurden bereits 21 Namen von möglichen Nachfolgern gehandelt. Kurze Zeit später nahmen die Italiener die humorvoll gemeinte Fahrerliste aber wieder von der Seite.

Offenbar hoch im Kurs stehen GP2-Spitzenreiter Nico Hülkenberg (Emmerich), Ferrari-Testfahrer Marc Gene (Spanien) und Fisichella. "Ich habe keinen Kontakt zu Ferrari", sagte "Fisico" und betonte: "Ich fühle mich bei Force India sehr wohl."