Der Tagesspiegel : 220,8 Prozent Beteiligung in der Uckermark Datenverarbeitung bringt Probleme am Wahlabend

Potsdam - Um 23.30 übertraf der Landeswahlleiter sogar die SED: Er meldete 101,8 Prozent Wahlbeteiligung in Potsdam-Mittelmark und sogar 220,8 Prozent in der Uckermark. Der Landeswahlleiter wies die Schuld für diese Panne gestern von sich: „Wir sind nur Abnehmer des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg.“ Dieses wiederum schob die Schuld auf einen „Fehler im Computersystem“, der trotz vorheriger Tests nicht aufgefallen sei. Zwar sei die Anzahl der Wähler bei fortlaufender Auszählung aktualisiert worden, die Anzahl der Wahlberechtigten blieb allerdings auf dem Stand der ersten ausgezählten Wahlbüros. So kamen die unglaublichen Beteiligungen zustande.

Und das war nicht die einzige Panne. Die Webseite, auf der fortlaufend die Ergebnisse veröffentlicht werden sollten, brach alle paar Minuten zusammen. Der Grund sei die Überlastung des Systems durch insgesamt sieben Millionen Seitenaufrufe am Abend gewesen, hieß es. Dabei war vorher eigens ein neuer Server zur Verfügung gestellt worden.

Auch die Auszählung zog sich lange hin: Erst gestern um 13:20 Uhr wurde das Endergebnis bekannt gegeben. Um 00:45 Uhr waren laut Wahlleiter erst 35,5 Prozent der Stimmen in Potsdam-Mittelmark ausgezählt, im Brandenburger Durchschnitt waren es zu dieser Zeit 92,91 Prozent. Auch diesen Fehler hat das Amt für Statistik zu verantworten: Die Daten aus dem Landkreis lagen vor – doch die Software konnte sie nicht verarbeiten. Die Einteilung der Wahlkreise hatte sich verändert, ohne dass das Computerprogramm entsprechend angepasst worden wäre.

Immerhin: 1998 konnte sogar das amtliche Endergebnis der Bundestagswahl erst am nächsten Tag bekannt gegeben werden. Am selben Tag fanden nämlich auch Kommunalwahlen in Brandenburg statt – und es gab Auszählungsprobleme. fn

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