333 Jahre Privatbank Metzler : Edel währt am längsten

Das Bankhaus Metzler ist eine der wenigen überlebenden Privatbanken in Deutschland. Der Name des traditionsreichen Instituts ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Die Familie will die Geschichte des Hauses noch lange fortschreiben.

Jörn Bender[dpa]
Bankhaus Metzler
Lange Tradition: Das Bankhaus Metzler in Frankfurt. -Foto: dpa

Frankfurt/Main 333 Jahre und 11 Generationen - damit ist die Frankfurter Privatbank Metzler die älteste Bank in Deutschland, die ununterbrochenen im Familienbesitz ist. Zwar ist die große Zeit der kleinen Banken für vermögende Kunden vorbei, nur wenige der Traditionshäuser überlebten schärferen Wettbewerb und zunehmende Bürokratie. Doch Metzler hat sich weit über das Rhein-Main-Gebiet hinaus einen Namen gemacht - auch als Partner von Bund und Kommunen bei Übernahmen sowie als Sponsor von Kultur und Sozialem. Die Familie ist überzeugt, die Erfolgsgeschichte des Bankhauses B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA noch lange fortschreiben zu können.

"Wir waren uns immer einig - die Mitarbeiter, die Familie, die Gesellschafter - alle miteinander", beschreibt der persönlich haftende Gesellschafter der Privatbank, Friedrich von Metzler, das Erfolgsgeheimnis des Hauses. Derzeit ist die Bank im Besitz von fünf Familienmitgliedern. Friedrich von Metzler (64) ist aber seit 1993 der einzige aus der Familie, der in der Bank aktiv ist.

Am Anfang stand eine Tuchhandlung, gegründet 1674 von Benjamin Metzler, Sohn eines Pfarrers aus dem sächsischen Vogtland. Die anfänglichen Geld- und Wechselgeschäfte gewannen zunehmend an Bedeutung. Heute zählen der Lebensmittelriese Nestlé und der Waschmittelhersteller Henkel zu den Kunden der Bank mit ihren gut 700 Mitarbeitern in Deutschland, den USA, Japan, Irland und Kuwait. Für Unternehmen wie Bayer, Buderus und Degussa betreute das Bankhaus Transaktionen, zudem beriet Metzler den Bund beim Verkauf von dessen Lufthansa-Beteiligung und der Bundesdruckerei. Im vergangenen Jahr betreute Metzler 21 (Vorjahr: 26) Übernahmen im Gesamtwert von 2,7 (4,4) Milliarden Euro.

Wachstum aus eigener Kraft

Bankhaus Metzler
Der Amtierende: Bankier Friedrich von Metzler. -Foto: dpa

Die Bank mit einem Jahresüberschuss von rund 2,3 Millionen Euro glaubt an Wachstum aus eigener Kraft, doch Branchenkenner sind skeptisch. "Privatbanken, die nicht expandieren, haben aus meiner Sicht mittelfristig keine Überlebenschance. Man muss heute als Bank zwangsläufig ins Massengeschäft rein", sagt der Münchner Wirtschaftsprofessor Christoph Kaserer. Das Geschäft mit vermögenden Privatkunden sei "systematisch aus Deutschland vertrieben worden".

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Deutschland nach Angaben von Historikern noch 2000 Privatbanken, nach dem Zweiten Weltkrieg blieben 225. Inzwischen ist die Zahl nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken auf 28 geschrumpft - und Fachleute weisen darauf hin, dass nur 6 davon noch im Familienbesitz sind und damit Privatbankiers im Wortsinne: Sal. Oppenheim (Köln), M.M. Warburg und Berenberg (beide Hamburg), Metzler und Hauck & Aufhäuser (beide Frankfurt) sowie Lampe (Bielefeld).

Deutsche Bürokratie bewirkte Konsolidierungsdruck

Vor allem die überbordende deutsche Bürokratie habe "gerade kleine Banken unter Konsolidierungsdruck gesetzt", sagt Kapitalmarktexperte Kaserer. Zudem sei das moderne Bankgeschäft extrem abhängig von elektronischer Informationstechnologie: "Die Investitionen dafür sind gigantisch, das zwingt alle Banken, größer zu werden." Auch Peter Hüfner, der beim Bankenverband in Berlin den Ausschuss für die Privatbankiers betreut, weiß um die enger werdenden Nischen. Doch er betont zugleich die Stärke von Privatbankiers: "Solche Banken haben sich oft über Jahrzehnte eine Vertrauensstellung bei der vermögenden Privatkundschaft erworben."

Friedrich von Metzler schrecken Aussagen wie die von Kaserer nicht. Die Bank setze auf Wachstum aus eigener Kraft, die Größe spiele keine Rolle. Entsprechend bescheiden wirkt die sechsstöckige Zentrale des Instituts im Frankfurter Bankenviertel inmitten der nahen Wolkenkratzer von Commerzbank und Europäischer Zentralbank (EZB). Deutlich gediegener präsentiert sich das Innere des Gebäudes, das seit 1826 Firmensitz des Bankhauses Metzler ist: Biedermeier- und Barockmöbel säumen die Gänge, Ölgemälde schmücken die Wände. Friedrich von Metzler - "FM" wie ihn seine Mitarbeiter nennen - schlürft genüsslich den hauseigenen "Metzler-Rauchtee" aus einer Goldrandtasse mit aufgeprägtem "M" und bekennt: "Die Bank ist mein Hobby. Ich gebe zu, ich bin ein bisschen einseitig geworden, weil die Bank mich so fasziniert."