39. Art Basel : Hohe Qualität und betuchte Käufer

Einen Tag vor dem Start der weltweit wichtigsten Messe für Gegenwartskunst, der „Art Basel“, haben die Verantwortlichen ein optimistisches Bild des Kunstmarkts gezeichnet. Gesetzt wird auf qualitativ hochwertige Kunst und besonders zahlungskräftige Kunstfreunde aus aller Welt.

Sabine Glaubitz[dpa]
Art Basel
Art Basel - Die Messe für zeitgenössische Kunst. -Foto: dpa

Basel"Man kann schwer die Zukunft vorhersagen, doch für einen gesunden Kunstmarkt sind neben Vertrauen, gute Werke und gute Käufer das Wesentliche. All diese Faktoren sind vorhanden", sagte Marc Spiegler, einer der Direktoren der "Art Basel". Damit trat Spiegler Kassandra-Rufen vieler Experten entgegen, die im Vorfeld der Baseler Schau vor dem anhaltenden Kunstmarkt-Boom gewarnt hatten.

Der Kunstberater und ehemalige Sotheby's-Chef für Frankreich, Marc Blondeau, hatte zuvor kritisiert: "Die große Begeisterung für zeitgenössische Kunst hat dazu geführt, dass der Markt mit Werken fast schon überflutet worden ist. Der Markt braucht eine Verschnaufpause." Die Auswirkungen der Preisexplosion für moderne Kunst seien besorgniserregend, denn sie führten unter anderem dazu, dass die Galeristen ihre Künstler zu einer immer größeren Produktivität drängen und statt Qualität Quantität erzeugen.

Die 39. Ausgabe ist rekordverdächtig

Insgesamt war das Jahr 2007 ein Spitzenjahr. Die Installation "Lullaby Spring", ein riesiger Stahlrahmen mit handgefertigten Gipsmurmeln des britischen Künstlers Damien Hirst, wechselte für 14,5 Millionen Euro den Besitzer und das tonnenschwere, rot schimmernde Metallherz "Hanging Heart" von Jeff Koons für rund 16 Millionen Euro.

Auch für die Basler Messe, das Epizentrum des internationalen Kunstmarkts, war das vergangene Jahr fantastisch, viele Galeristen sprachen von den besten Kaufergebnissen aller Zeiten. Auch die am 4. Juni beginnende 39. Ausgabe der Art Basel könnte wieder Rekorde brechen. 300 renommierte und finanzstarke Galerien zeigen bis Sonntag hochwertige zeitgenössische Werke von mehr als 2000 Künstlern.

Preise haben sich vervierfacht

Laut Artprice, der weltweit führenden Kunstpreisdatenbank, haben sich die Verkäufe von Kunstwerken, die Preise in Millionenhöhe erzielten, in den vergangenen Jahren fast vervierfacht: Sie stieg von 263 Anfang der 1990er Jahre auf 825 im Jahr 2006 und auf 1254 im Jahr 2007. Während sich die Rekordpreise bisher insbesondere auf Impressionisten und Klassiker der Moderne konzentrierten, stehen längst auch Arbeiten lebender Künstler hoch im Kurs. Erst vor wenigen Wochen wurde ein lebensgroßes Aktgemälde des britisch-deutschen Künstlers Lucian Freud für fast 21 Millionen Euro zum vorläufig teuersten Werk eines lebenden Künstlers.

Diese Entwicklung sieht Klaus Gerrit Friese, Vorstand des Bundesverbandes deutscher Galeristen (BVDG), auch aus künstlerischen Gründen kritisch. Durch die in astronomische Höhen gestiegene Preise werde die Kunst in der Öffentlichkeit zwar stärker wahrgenommen, doch gleichzeitig der künstlerische Aspekt in den Hintergrund gedrängt. "Wichtig ist bei diesen medienwirksamen Versteigerungen, dass man wieder an die Kunst denkt, dass man wieder über den Inhalt redet und nicht den Marktpreis", meint der Stuttgarter Galerist, der gleichzeitig daran erinnert, dass eine der wesentlichen Arbeiten des Galeristen die Förderung von Nachwuchskünstlern ist.

Förderung des Nachwuchs’

Um den Nachwuchs zu fördern, hat die Art Basel schon vor Jahren Spezialsektoren eingeführt wie zum Beispiel "Art Statements", einen Bereich mit Einzelausstellungen junger Künstler. Aus 290 Bewerbungen wurden 31 Künstler ausgewählt, fünf mehr als im Vorjahr. Allein neun der Kunstschaffenden leben und arbeiten in Berlin.

Rekordpreise für Kunst gab es zu jeder Zeit. Doch längst ist Kunst zu einem finanziellen Investment geworden. Bei den derzeitigen unsicheren Börsen-Zeiten gilt der Kunstmarkt vielen als sichere Wertanlage, betonen Experten. Zudem nimmt die Zahl der Millionäre in der Welt zu, vor allem in den neuen aufstrebenden Industrienationen wie China, Russland und Indien. Da sich viele der guten Klassiker der Moderne in Museen und Privatsammlungen befinden, decken sich die Superreichen mit Werken namhafter Gegenwartskünstler ein. Das erstklassige Angebot der diesjährigen "Art Basel" etwa mit Arbeiten von Damien Hirst, Gerhard Richter, Tom Wesselmann und Francis Bacon dürfte auf jeden Fall ein großes Interesse wecken.