Der Tagesspiegel : 4. Ein Bauernsohn, der aufstieg

Auf den ersten Blick hat der Gesuchte mit Luxus im klassischen Sinn überhaupt nichts zu tun - eher mit dem Gegenteil. An materiellen Dingen war ihm nicht gelegen, obwohl es ihm als Sohn vermögender Bauern an nichts gefehlt haben wird. Er ist als Knabe mit 12 oder 13 Jahren, je nach dem, welchem Geburtsdatum man trauen mag, in ein Kloster eingetreten. Zeit hat er im Überfluss gehabt, mehr als uns Heutigen lieb sein möchte. Die Zeit hat er oft unter extremen Bedingungen verbracht, mal ließ er sich 40 Tage einmauern, mal hat er sich dem Schlaf durch Stehen entzogen, ja, er sei sogar auf seinen Wunsch hin mehrfach eingegraben worden. Wegen dieser extremen Askese musste er das Kloster schließlich verlassen. Er wählte einen anderen, höheren Ort, um ungestört beten zu können. Selbst ein Kaiser hat ihn besucht und um Rat gefragt. Sein Zuhause war äußerst minimalistisch, er hat es nicht mehr verlassen. Für die damalige Zeit hatte er ein biblisches Alter erreicht, 69, beziehungsweise 70 Jahre. Nach seinem Tod fand er viele Nachahmer und der Ort, an dem er ausgeharrt hat, ist heute eine Touristenattraktion in einem Land, in dem Moslems und Christen friedlich miteinander leben. Sein Leben hat einen bekannten spanischen Regisseur zu einem kurzen Film inspiriert.

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