Der Tagesspiegel : 4. Eine Frau, die Gegensätze überwinden half

Sie sah das Unheil kommen und reiste 1939 nach Palästina aus, als Begleiterin einer Jugendgruppe. Schon Jahre vorher hatte sie das Lyzeum verlassen, im Streit mit glühenden Nazis in der Lehrerschaft. Ihre Eltern, deutsche Patrioten, wollten das "Schreckliche, Unvorstellbare" nicht wahrhaben und blieben in der großbürgerlichen Berliner Wohnung am Rande des Tiergartens. 1943 wurden sie in Auschwitz ermordet. Nach entbehrungsreichen Jahren als Kibbuzpionierin erkämpfte sich die Tochter eine Karriere als Pädagogin, sie holte ein Studium nach, wurde Historikerin. Als sich 21 Jahre nach dem Ende des Naziregimes die Möglichkeit bot, an der Freien Universität zu promovieren, kam sie zurück, trotz allem. Die Geschichte des Judentums erforschte sie an den frühesten Quellen, es ging ihr darum, den uralten Gegensatz zwischen Judentum und Christentum zu überwinden. Aber sie äußerte sich auch immer wieder zur "Vergangenheitsbewältigung", wurde zu einer einflussreichen Stimme im jüdischen Berlin. Das Jüdische Museum lehnte sie ab: es gebe doch auch kein katholisches. Hochbetagt starb sie vor sechs Jahren in ihrer Heimatstadt.

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