Der Tagesspiegel : 5. Ein Mann, der seiner Zeit voraus war

Auf dem Höhepunkt seines Wirkens machte er eine Weltreise, über die er später in einem Buch berichtet: Von Berlin in die USA, dann nach Japan, China, Indien und in den Orient. Eine Reise, auf der er seine Erkenntnisse einem weltweiten Publikum weitergab und seine Forschungen weiter vertiefte. Es war gleichzeitig eine Abschiedsreise. Denn nach Berlin sollte er nicht wieder zurückkehren, er ging direkt ins Exil in die Schweiz. Zu verhasst war er da schon aufgrund seiner Forschungsarbeiten den kommenden Machthabern. Mit Ende zwanzig war er, der Arzt, nach Berlin gekommen.
Berührt durch das Schicksal eines berühmten Dichters, der gerade verurteilt worden war, sowie durch den Selbstmord eines seiner Patienten, begann er das zu erforschen, was ihn auch ganz persönlich umtrieb. Das von ihm begründete Institut wurde zu weit mehr als einer bloßen Forschungseinrichtung: Eine Anlaufstelle für Ratsuchende, gesellschaftlicher Treffpunkt, Zentrum einer ganzen Bewegung. Er wurde so zum Pionier seiner Disziplin, selbst wenn er nicht direkt an der Berliner Universität forschte. Auch wenn seine Ansichten heute teilweise durchaus kritisch gesehen werden, wirkte er weit über seine Zeit hinaus - nicht zuletzt, weil er seine Anliegen in die Gesellschaft trug. Auch bei den Gesetzgebern sprach er immer wieder vor, allerdings vergeblich. Der Gesetzespassus, den er bekämpfte, wurde erst Jahrzehnte später gestrichen. Er starb mit 67 Jahren im Exil, an seinem Geburtstag.

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