Der Tagesspiegel : 5. Ein Mann, der Tradition pflegte

Er wurde schon in die richtige Familie hineingeboren, denn diese konnte auf eine Tradition der Herstellung erlesener Dinge zurückblicken. Das erlaubte es der Familie, nach Deutschland zu ziehen, wo der Gesuchte seine Ausbildung in Dresden absolvierte. Danach kehrte er in seine Heimatstadt zurück und übernahm das Geschäft des Vaters. Und arbeitete in seinem Metier nebenbei für den Hof. Das weckte das Interesse des Herrschers, der an den Arbeiten des Gesuchten gefallen fand. Der Herrscher besann sich auf einen Brauch seines Landes, zu einem bestimmten Festtag ein bestimmtes kleines Geschenk zu machen. Nur durfte es nicht zu alltäglich wirken. Für seine Frau sollte es schon etwas Besonderes sein. Der Gesuchte hatte die richtigen Mitarbeiter, die den Wunsch des Herrschers so gut erfüllen konnten, dass sie von nun an jedes Jahr das Geschenk herstellten. Im normalen Alltag kann man es nicht gebrauchen, vom Preis ganz zu schweigen. Zum Leidwesen des Gesuchten veränderten sich aber die politischen Rahmenbedingungen in seinem Heimatland so sehr, dass er sein Metier nicht mehr ausüben konnte. Er verkaufte seine Geschäftsanteile an die Angestellten und floh über verschiedene Stationen. Er starb im Alter von 74 Jahren in der Schweiz.

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