Der Tagesspiegel : 6. Ein Mann, der sich für vieles interessierte

Der Kontakt zur Wissenschaft war ihm schon in die Wiege gelegt worden. Sein Vater war ein bedeutender Rechtsgelehrter, der seinen Sohn offensichtlich für die Wissenschaft begeistern konnte. Latein soll er sich im Selbststudium beigebracht haben, die Bibliothek der Eltern - seine Mutter war eine Pfarrerstochter, bot ihm genügend Anregung. Seine Intelligenz muss beträchtlich gewesen sein, denn nach seinem Studium wollte er natürlich promovieren. Aber dafür erschien er seiner Universität zu jung zu sein. Also wechselte er die Lehranstalt und versuchte aufs Neue sein Glück. Der Gesuchte entwickelte recht früh vielfältige Interessen, es ist nicht leicht, sich bei ihm auf eine oder zwei Disziplinen zu verständigen. Und was er im Einzelnen geleistet hat, lässt sich auch nicht unter einen Hut bringen. Er hat sich mit der Konstruktion eines besonderen, für seine Zeit geradezu revolutionären Bootes beschäftigt, das wohl aber nicht gebaut wurde. Er hatte zudem die Chronik eines Herrschergeschlechtes geschrieben und dabei halb Europa bereist, was seiner angeborenen Neugier entgegenkam. Einmal war er sogar mit einem politischen Amt betraut worden. Seine Ideen waren aber so abwegig, dass er abgelehnt wurde. Ein anderer Herrscher hatte viel später eben diese Vorschläge umgesetzt.
Mit Berlin hat der Gesuchte nicht sehr viel zu tun gehabt, aber dennoch war sein Wirken für die Stadt von großer Bedeutung. Die Unterstützung einer Fürstin half ihm dabei. Obwohl er dann in eine Führungsposition aufstieg, die er sich selbst geschaffen hatte, blieb er rastlos und reiste weiter, um seine Pläne zu verwirklichen. Doch ein mächtiger christlicher Orden durchkreuzte seine Pläne. Ihm war auch an einer Versöhnung der Kulturen gelegen.
Außerdem war er ein fleißiger Briefeschreiber. Über 1100 Korrespondenzpartner hat er in 16 Ländern gehabt. Und dennoch starb er einsam in seinem siebzigsten Lebensjahr.

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