Der Tagesspiegel : 6. Eine Frau, die in Saus und Braus lebte

Mit mächtigen Frauen springt man in ihrem Land recht rüde um. Auch dann, wenn sie politisch fähig waren und den zeittypischen Pomp entfalteteten, haben Vorurteil wie Geschichtsschreibung die Regentinnen, Königinnen und Mätressen oft zu intriganten Verschwenderinnen umgedeutet. In ihrem Fall allerdings ist das vernichtende Urteil der Forschung auffallend einhellig. Nach dem gewaltsamen Tod des Königs, ihres Mannes, sei sie die denkbar schlechteste Nachfolgerin gewesen, schreibt einer ihrer Biografen. Der König hatte sie seiner Schulden und ihrer großen Mitgift wegen geheiratet - und um den Thronfolger zu bekommen, den es in seiner ersten Ehe nicht gab. Die Kronprinzenfrage war rasch geklärt; die neue Gattin gebar, zeitgleich mit der Niederkunft der königlichen Mätresse, neun Monate nach der Hochzeit den ersten Sohn. Fünf weitere Kinder folgten, doch die Ehe war unglücklich und die Königin, angeblich "unsensibel, ziemlich dumm und unkultiviert", tröstet sich mit zwei teuren Hobbys: dem Kaufen kostbaren Schmucks und mehr als großzügigen Zuwendungen an ihre Günstlinge. Besonders einer, ein Landsmann aus bescheidenen Verhältnissen, bringt es so zu Reichtum und Macht. Gemeinsam mit ihm soll die Königin die Staatsfinanzen vollends ruiniert haben, als sie nach dem Tod des Königs den rebellierenden Adel nur ruhigzustellen wusste, indem sie kostspielige Privilegien verteilte. Ihr Sohn lässt ihren Favoriten umbringen, und zwingt sie mehrfach ins Exil. Als sie schließlich in ihre Heimat im Süden zurückkehren will, stirbt sie auf der Reise, in Köln.

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