Der Tagesspiegel : 9. Ein Mann, der Brücken schlug

Der Vater war Lehrer, die Mutter Tochter eines Offiziers. Ihr Mädchenname findet sich in einem US-amerikanischen Bundesstaat wieder, der nach einem Vorfahren der Familie benannt ist. Schon früh interessierte sich der Gesuchte für naturwissenschaftliche Experimente - vielleicht, weil er als eher schwächlicher Junge viel allein zu Hause spielte. Am meisten begeisterte ihn die Physik, die sein Vater jedoch für eine wenig einträgliche Sache hielt. Also studierte der Filius Medizin und arbeitete einige Zeit als Arzt. Doch auch im menschlichen Körper war er vor allem physikalischen Vorgängen auf der Spur, etwa beim Hören und Sehen. Das Lazarett tauschte er schließlich gegen den Hörsaal und wurde Professor an verschiedenen Universitäten. So aufsehenerregend waren seine Experimente und Erfindungen, dass man ihn schon zu Lebzeiten als "Wohltäter der Menschheit" feierte. In Berlin gründete er eine Institution, die damals weltweit die erste ihrer Art war und bis heute fortbesteht. Zwei Mal war er verheiratet. Seine zweite Frau war im Berliner Bildungsbürgertum selbst keine Unbekannte, ihr Haus eine gut besuchte Adresse. Von seinen fünf Kindern ist ein Sohn ebenfalls zu Ruhm gelangt, indem er sich einem seinerzeit hoch modernen Fortbewegungsmittel widmete. 1995 erlebte der Gesuchte, obwohl längst verstorben, ein Revival. Er starb mit 73 Jahren.

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