Der Tagesspiegel : 9. Ein Star in der Glitzerwelt

Hübsch war das Kind. Aber so mager, dass man fürchten musste, eine Windbö könne es umblasen. Kein Wunder, es gab ja nicht genug zu essen, in den 1940er Jahren in Holland. Heizmaterial war knapp, das Mädchen fror und kränkelte. Ein Länderwechsel half. Nach dem Krieg trieb es die Jugendliche auf der Spitze - und setzte sich später gegen eine Blondine durch, der die Männer zu Füßen lagen. Sie stahl ihr den Job, obwohl ein ernster Mann lange mit seiner Schreibmaschine dagegen angekämpft hatte. Der Blondine - geübt in Millionärstreffen - war's später egal. Warum sollte sie eine halbe Portion beneiden, die sich an den Schaufenstern einer Weltmetropole sehnsüchtig die Nase plattdrückte. Viele Leute schauten ihr, bald kopfschüttelnd, bald amüsiert, dabei zu. Ein Wunder, dass Charles sie irgendwann eintreten ließ und sie damit in die erste Liga der Glitzerwelt katapultierte. Da hat sie noch immer ihren festen Platz. Bisweilen sieht man die vor Jahren Verstorbene heute auch in schicken Bars und sogar mal im Museum. Einige Jahre nach ihrem Tod wollte ihr die Deutsche Post eine Briefmarke widmen. Das hat nicht geklappt. Die Holländer hingegen gingen viele Jahre mit ihr, die im letzten Film ein Engel war, in die Luft.

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