A 11 : Das Navi lenkt zurück in den Stau

An der Dauerbaustelle auf der A 11 vor Berlin lassen sich viele Autofahrer automatisch ins Chaos leiten. Spätestens in Pfingstberg sollte man die Autobahn verlassen.

Claus-Dieter Steyer

Pfingstberg - Der regelmäßig bis zu 20 Kilometer lange Stau auf der Autobahn A 11 zwischen Prenzlau und Berlin könnte mit einem kollektiven Knopfdruck verkürzt werden: Der müsste die in den meisten Autos installierten Navigationssysteme treffen, die die Situation rund um den deutschlandweit wahrscheinlich chaotischsten Autobahnabschnitt verschärfen. Denn statt auf die Angaben der kleinen Kästen zu hören, sollten Autofahrer lieber nach den kleinen blauen Schildern „U 52, U 54 und U 56“ sehen. Dann könnten sie „relativ zügig“ die sechs Kilometer Baustelle umfahren, an der in Richtung Berlin noch auf lange Zeit nur ein Fahrstreifen zur Verfügung stehen werde, heißt es von der Autobahnmeisterei: „Die Navigationssysteme führen die Autofahrer aber viel zu früh auf die Autobahn und damit in den Dauerstau zurück.“ Auch die Ersatzstrecke sei dann verstopft.

Die Aufforderung zum Verzicht lässt sich leicht erklären: Einige Kilometer hinter dem Kreuz Uckermark, an dem sich die von Usedom und Rügen kommenden Urlauber mit den in Stettin auf die Autobahn aufgefahrenen Reisenden ineinandergefädelt haben, beginnt die Baustelle und die einzige verbliebene Spur kann die Fahrzeugmassen nicht aufnehmen.

Spätestens in Pfingstberg sollte man daher die Autobahn verlassen. Das Navi berechnet dann den neuen Weg und schickt die Fahrer programmgemäß auf der schnellsten Strecke zurück zur Autobahn: An die Anschlussstellen Joachimsthal und Chorin – die allerdings direkt in der Baustelle liegen. Erst die dritte Auffahrt, Werbellin, verspricht freie Fahrt.

An der Autobahn stehen zwar Hinweisschilder – die aber leider nicht ernst genommen werden. Stattdessen führt das zu frühe Abbiegen von der Umleitungsstrecke zur Verstopfung auch der Landstraße zwischen Pfingstberg, Temmen, Ringenwalde, Joachimsthal und Altenhof.

Doch auch auf anderen Ausweichrouten stehen die Autofahrer irgendwann mit Sicherheit im Stau. Vermeintlich schlaue Autofahrer, die die A 11 schon in Gramzow verlassen und auf der B 198 nach Süden kommen wollen, landen wenig später vor einem dicken Sperrschild: Vollsperrung in Meichow. Die Anwohner dort berichten von abenteuerlichen Umfahrungsversuchen auf löchrigen Feldwegen, schmalen Radlerpisten oder für moderne Autos mit ganz normal angebrachten Ölwannen ungeeigneten Pflasterstraßen.

Ein Ende der chaotischen Zustände – die den ADAC raten lassen, die A 11 in Richtung Berlin gänzlich zu meiden – ist noch nicht in Sicht. Bis November wird die östliche Fahrbahnseite von Grund auf erneuert. Und dann kommt bis zum Herbst 2010 die westliche Seite unter die Bagger. In Richtung Stettin stehen immer zwei verengte Spuren zur Verfügung, in Richtung Berlin bleibt es bei einer einzigen Fahrbahn. Kommt es hier zu einem Unfall oder einer Panne, bewegt sich dann oft stundenlang nichts mehr.

Die jetzige A 11 wurde von 1935 bis 1937 gebaut. Nur notdürftig wurde sie bisher immer wieder repariert, bevor 2008 der jetzt laufende grundlegende Ausbau begann.

Da die Strecke direkt durchs Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin führt, müssen die Bauarbeiten während der mehrwöchigen Brutzeit der Seeadler unweit der Straße unterbrochen werden.

Die Internetseite www.ls.brandenburg.de gibt stets aktuell an, ob sich das Verlassen der Autobahn lohnt.

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