Der Tagesspiegel : Ab 32 Grad ruft künftig der Wetterdienst zum Trinken auf Hitzewarndienst soll Todesfälle verhüten helfen. Besonders ältere Menschen und chronisch Kranke sollten öfter zur Flasche greifen

Alexander Schäfer

Hitze kann tödlich sein – aus den Erfahrungen des extrem heißen Sommers 2003 in Frankreich und auch in Deutschland wollte die Brandenburger Landesregierung lernen. „Deshalb haben wir uns für das Hitzewarnsystem entschieden“, sagt Katrin Beck, Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Künftig wolle man über Medien wie den RBB oder über das Internet Hitze-Mitteilungen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) herausgeben, die vor heißen Temperaturen warnen. Kosten werde der zusätzliche Dienst nichts, teilte der DWD mit.

Täglich gegen 10 Uhr gibt der DWD die Warnungen für den aktuellen und den folgenden Tag heraus, und zwar in zwei Stufen: Stufe 1 bedeutet starke Wärmebelastung ab mindestens 32 Grad Celsius; Stufe 2 heißt extreme Wärmebelastung mit mindestens 38 Grad Celsius. Die Warnungen gehen an das Innenministerium und dann weiter unter anderem ans Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie, sagt Wolfgang Brandt, Sprecher vom Potsdamer Innenministerium. Danach werden die Meldungen an soziale Einrichtungen geschickt.

Doch wie unterscheidet sich ein Hitzewarnsystem von einer Temperaturanzeige? „Ein Thermometer kann nicht die ,gefühlte’ Temperatur angeben“, erklärt Paul Becker vom DWD in Freiburg im Breisgau. Man habe ein Modell eines Menschen hergestellt, das neben den Temperaturen die Sonnenstrahlung, die Feuchtigkeit und den Wind einrechnen könne. In Freiburg hatte man das System seit vergangenem Jahr getestet, seit Mai ist es dort offiziell im Einsatz. Während draußen gerade mal 20 Grad herrschen, könne die gefühlte Temperatur schon Alarm auslösen, sagt Becker. Anfang Juni wurde in Freiburg die erste Warnstufe ausgerufen. Viele soziale Einrichtungen wurden daraufhin verstärkt auf das Thema Hitze hingewiesen. Dann werden beispielsweise in Altenheimen Speisepläne umgestellt. Mehr Trinken, mehr Mineralien. Und wer nicht aus eigenem Antrieb trinke, dem setzen die Pfleger auch mal ein Glas Früchtetee an den Mund, sagt Barbara Schwemmer von der Caritas. Vor allem seien bei anhaltender Hitze Säuglinge und Kleinkinder sowie ältere Menschen und solche mit chronischen Erkrankungen gefährdet. Ältere Menschen deshalb, weil das Durstgefühl schon ab 40 Jahren kontinuierlich nachlässt. Das bewusste Trinken, mindestens zwei Liter täglich, ist dann besonders wichtig.

Zu viel Flüssigkeit kann jedoch bei einigen Menschen ein Risiko sein, warnt Claus Köppel, Direktor der Geriatrie am zum Vivantes-Konzern gehörenden Wenckebachklinikum. Das gelte zum Beispiel für Menschen, die unter einer Herzschwäche litten. „Hier sollte der Hausarzt individuell entscheiden, wie viel getrunken werden darf.“ Menschen, die beispielsweise Entwässerungsmittel zu sich nehmen, könnten bei zu viel Flüssigkeit ihr Herz überfordern. Wer nicht nur trinken möchte, kann auch frisches Obst zu sich nehmen. Darauf werde in Seniorenheimen besonders beachtet, sagt Barbara Schwemmer von der Caritas, „beispielsweise durch klein geschnittene Melonen“. Flüssigkeitsmangel führt bei alten Menschen zu Verwirrungszuständen, weil der Blutdruck sinkt und das sich immer mehr eindickende Blut nicht mehr alle Gefäße versorgen kann.

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