Der Tagesspiegel : Abschied für immer?

Uwe Fenner, Vorzeige-Unternehmer mit Subventionsproblemen, packte in Potsdam den Umzugswagen voll

Claus-Dieter Steyer

Potsdam. Vor der Villa des schillernden Internet-Unternehmers Uwe Fenner in der Nähe des Schlosses Cecilienhof fuhr am Freitagnachmittag ein Lieferwagen vor. Zwei Männer stiegen aus und wurden von Fenner herzlich begrüßt. Dann ging alles sehr schnell. Zu dritt trugen sie zwei Kommoden – dem Anschein nach aus Mahagoni – ein Sofa und zwei Sessel ins Auto. Der Sinn des Ganzen? Flüchtet Fenner aus der Stadt, in der er zwar mit neuen Unternehmerideen, großen Partys und illustren Debattierrunden immer wieder für Aufregung sorgte, mit der es schließlich aber erbitterten Streit gab um mutmaßlichen Fördermittelbetrug?

Fenner selbst gab sich wortkarg. Er machte einen niedergeschlagenen Eindruck und lehnte die Bitte um eine Erklärung schroff ab. „Interviews gebe ich nur schriftlich und nur mit ausdrücklicher Autorisierung. Jetzt habe ich allerdings keine Zeit“, sagte der 60-Jährige. Er wolle jedoch keineswegs aus Potsdam flüchten. Es hätten sich nur so viele Sachen angesammelt, dass er jetzt Platz im Hause brauche.

Diese Zurückhaltung passte überhaupt nicht zum bisherigen Auftreten des Mannes. Seine im restaurierten Ulmenhof veranstalteten „Jahreszeiten-Gespräche“ galten als gesellschaftlicher Höhepunkt schlechthin. 300 Gäste folgten jedesmal Fenners Einladung. Seine FDP-Parteifreunde Guido Westerwelle und Hans-Dietrich Genscher schauten hier ebenso vorbei wie US-Botschafter Daniel Coats, der Ex-Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, oder Wolfgang Joop, Nadja Auermann und Shawne Borer-Fielding. Sie rühmten den Gastgeber als erfolgreichen Geschäftsmann und brillanten Gesprächspartner. Im Vorjahr wurde Fenner sogar als heißer Kandidat für den Posten des Potsdamer Oberbürgermeisters gehandelt. Seine Chancen sahen nach dem Wechsel von Matthias Platzeck auf den Stuhl des Ministerpräsidenten gar nicht schlecht aus. Doch ein Passus in der Kommunalordnung machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Mit 59 Jahren durfte er nicht mehr kandidieren. Auch als Brandenburgischer Wirtschaftsminister war der Mann einige Zeit im Gespräch.

Doch Fenner machte sich in Potsdam nicht nur Freunde. Den Höhepunkt von Angriffen musste er im Juni 2000 erleben, als die Polizei ein Jahreszeiten-Gespräch stürmte. Sie hatte einen Tipp erhalten, wonach auf den Festen regelmäßig Kokain verabreicht werde. Sie fand jedoch nichts. Nicht nur diese Razzia beschädigte den Ruf von Fenner. Ein früherer Mitarbeiter seiner Unternehmensberatung stellte Anzeige bei der Potsdamer Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts von Subventionsbetrug. Langwierige Ermittlungen begannen, die noch nicht abgeschlossen waren. Nach bisherigen Erkenntnissen hat Uwe Fenner 1997 von der Investitionsbank Brandenburg (ILB) 1,54 Millionen Euro Fördergelder erhalten, um auf dem Ulmenhof Arbeitsplätze im Internet- Sektor zu schaffen.

Tatsächlich gründete er mehrere Firmen mit rund 200 Arbeitsplätzen. Der Einbruch am Neuen Markt beendete aber alle Höhenflüge. Fenner zog sich zurück, doch die Vorwürfe blieben. Mit öffentlichem Geld soll er den Ulmenhof sehr großzügig saniert und mit teuren Möbeln ausgestattet haben – für seine privaten Treffen. Die ILB hat bislang auf die Rückzahlung der Fördermittel verzichtet, da dadurch eine Firma, die Fenner nicht mehr gehört, mit 30 Arbeitsplätzen wahrscheinlich Pleite gehen würde.

Genau um 15.30 Uhr setzte Fenner sich ans Steuer des Lkw und verließ die Stadt.

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