Abstellungsstreit : Schalke reicht Klage gegen Brasiliens Fußball-Verband ein

Die Bundesliga macht ernst: Schalke 04 will den brasilianischen Fußball-Verband mit einer Unterlassungsklage dazu verpflichten, ihren Abwehrspieler Rafinha nicht mehr bei Olympischen Spielen einzusetzen. Auch Hertha BSC und der HSV drohen weitere juristische Schritte an.

Ulli Brünger,Robert Semmler[dpa]

Düsseldorf/Berlin/PekingIm Olympia-Abstellungszwist zwischen den Bundesligaklubs, dem Fußball-Weltverband Fifa und den nationalen Verbänden droht endgültig die juristische Eskalation. Nachdem die von der unrechtmäßigen Olympia-Teilnahme ihrer Profis betroffenen Vereine auch am Montag noch keine Reaktionen oder positiven Signale der betroffenen Fußball-Verbände erhalten hatten, leiteten sie die nächsten Schritte ein. Der FC Schalke 04 klagt wegen Rafinha bei der Fifa gegen den brasilianischen Fußball-Verband (CBF). Hertha BSC besteht auf einer sofortigen Rückkehr des Serben Gojko Kacar und droht mit einer Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS. Und auch der Hamburger SV will den Belgier Vincent Kompany sofort zurück haben.

Schalke hat nach dem Gezerre die Nase voll und reichte Klage bei der Fifa ein. Weitere Maßnahmen behielt sich der Revierklub vor. "Es handelt sich um eine Unterlassungsklage, durch die die Brasilianer verpflichtet werden sollen, Rafinha nicht mehr bei Olympia einzusetzen", erklärte Schalke-Manager Andreas Müller. "Wir haben eigentlich gehofft, dass wir diese unselige Geschichte ohne weitere Klagen zu Ende bringen können. Leider gibt uns die CBF durch ihr Verhalten keine andere Möglichkeit." Bis Montag hatte man noch keine Reaktion der Brasilianer auf die verschiedenen Schreiben und gestellten Forderungen wie Abstellungsgebühr oder Versicherung des Profis erhalten. Rafinha bestritt am Sonntag gegen Neuseeland (5:0) sein zweites Spiel und steht mit der "Selecao" im Viertelfinale.

Blatter: Olympia als U-23-Turnier erhalten und Abstellung zur Pflicht machen

Wenn die Fifa die Brasilianer nicht zum Einlenken bewegt, geht es in die nächste Runde. "Dann gehen wir wieder vor den CAS. Wir stehen in dieser Sache wie eine Eins. So kann man nicht mit uns umgehen", betonte Müller, der zudem "Schadensersatzforderungen gegen sämtliche Beteiligten" erwägt. Die Möglichkeit besteht, seit Schalke gemeinsam mit Werder Bremen und dem FC Barcelona vor dem CAS gegen die Fifa im Streit um die Olympia-Abstellungspflicht in der vergangenen Woche gewonnen hatte. Der CAS hatte entschieden, dass die Vereine auch Spieler unter 23 Jahren nicht für Olympia freigeben müssen. Dies sei in den Fifa-Statuten nicht verankert, und ein Gewohnheitsrecht lasse sich nicht ableiten, zumal das olympische Turnier kein Bestandteil des internationalen Fußball-Terminkalenders ist.

Das werde auch so bleiben, betonte Fifa-Chef Joseph Blatter in einem Interview. Immerhin macht man sich bei der Fifa und im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) Gedanken um die Zukunft des olympischen Männer-Fußballs. "Meiner Ansicht nach sollten wir das Turnier bei der heutigen Qualität der U-23-Spieler als U-23-Turnier belassen, die Abstellung dann aber zur Pflicht machen und das Gewohnheitsrecht durch einen Entschluss ersetzen", schlug Blatter vor. Auf dem nächsten Fifa- Kongress 2009 soll es Entscheidungen geben.

Kacar und Kompany stehen vor Rückkehr

"Wenn Kacar jetzt nicht auf den Weg geschickt wird, werden wir klagen", sagte Hertha-Manager Dieter Hoeneß. Der Profi selbst will nach Berlin zurückkehren, nachdem der Serbische Fußball-Verband die Hertha-Bedingungen für seinen Olympia-Einsatz nicht erfüllte. Ein weiterer Einsatz des 21-Jährigen im letzten Gruppenspiel am Mittwoch gegen Argentinien komme nicht infrage, so Hoeneß. "Es gibt keinen Grund, ein Risiko einzugehen und den Spieler nur eine Sekunde länger dort zu lassen." Kacar würde sofort aus China abreisen. "Wenn das stimmt, komme ich sofort zurück nach Berlin. Ich bin Profi und werde das tun, was mein Verein will", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Noch anders liegt der Fall Kompany. Nach einer Abmachung mit dem belgischen Verband und dem Spieler durfte der HSV ihn nach zwei Partien zurückbeordern. Der Abwehrspieler, der wegen einer Gelb-Roten Karte gegen Brasilien das zweite Spiel gegen China verpasste, möchte aber noch die dritte Partie gegen Neuseeland am Mittwoch bestreiten. "Es gab eine klare Abmachung. Wenn die nicht eingehalten wird, behalten wir uns juristische Schritte vor", sagte HSV-Sprecher Jörn Wolf. Falls Kompany erst am Donnerstag aus China abreisen würde, käme er für den Bundesligastart am Wochenende nicht mehr in Betracht.