Abzug aus Afghanistan : Jung will sich nicht festlegen

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung hält ein Ende des internationalen militärischen Engagements in Afghanistan nicht für absehbar.

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Verteidigungsminister JungFoto: dpa

IslamabadBundesverteidigungsminister Franz Josef Jung hält ein Ende des internationalen militärischen Engagements in Afghanistan nicht für absehbar. "Ich will mich jetzt nicht auf eine Jahreszahl festlegen", sagte Jung nach einem Gespräch mit seinem pakistanischen Amtskollegen Rao Sikandar Iqbal in Islamabad. "Entscheidend ist: Afghanistan muss selbst in der Lage sein, für seine Sicherheit zu sorgen." Ziel sei der Aufbau einer je 70.000 Mann starken Polizei und Armee. 38.000 Soldaten und eine ähnliche Anzahl an Polizisten seien bislang ausgebildet worden. Die EU werde die Polizeiausbildung in Afghanistan noch verstärken.

Jung sagte, beim Anti-Terror-Kampf in Afghanistan "steht Pakistan an unserer Seite und leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Grenzsicherung". Es sei aber im gemeinsamen Interesse, dass eine "Entwicklung, die über die Grenze nach Afghanistan hin erfolgt, möglichst unterbleibt". Jung hatte am Montag in der indischen Hauptstadt Neu Delhi gesagt, Terroraktivitäten gingen auch vom pakistanischen Grenzgebiet aus. Islamabad steht unter internationalem Druck, härter gegen radikal-islamische Rebellen vorzugehen, die von Pakistan aus Ziele im Nachbarland angreifen.

Iqbal betonte: "Wir unternehmen alles, um den Terrorismus zu bekämpfen." Pakistan habe 80.000 Soldaten an der 2560 Kilometer langen Grenze zu Afghanistan stationiert. "Pakistan hat dem Kampf gegen den Terrorismus das Leben von 1000 Soldaten geopfert." Afghanistan weist dem Nachbarland eine Mitschuld am Wiedererstarken der Taliban zu. Pakistan wirft Afghanistan dagegen vor, selber nicht genug gegen die Rebellen zu unternehmen. (mit dpa)