Der Tagesspiegel : Adel auf Landpartie

Verlorenes Erbe wird besichtigt. Überall sind Spuren derer von Arnim zu finden

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Von Claus-Dieter Steyer

Potsdam. Rund 250 Adlige aus 13 europäischen Ländern begaben sich gestern von Potsdam aus auf Tour in den weitgehend unbekannten Osten. Auf Schloss Branitz in Cottbus, in Havelberg und in einigen anderen Orten schauten sie sich um, was aus dem Erbe des alten märkischen Landadels geworden ist. Gerade auf Schloss und im Park Branitz, die einst Fürst von Pückler-Muskau gestaltete, staunten die Gäste. Graf Hermann von Pückler, Großneffe des legendären Gartenfürsten, führte die Abordnungen durch das mit Bundes- und Landesmitteln aufwendig restaurierten Ensembles.

Am gestrigen Abend trafen sich die Teilnehmer des Kongresses „Der Adel in der Demokratie“ zum großen Ball im Krongut Bornstedt im Norden Potsdams. Unter den Gästen befanden sich auch mehrere Adlige aus Brandenburg. Rund 50 Familien des alten märkischen Landadels sind seit der Wende in ihre Schlösser, Herrenhäuser und Güter zurückgekehrt, die ihnen nach 1945 genommen worden waren. Zu den bekanntesten Vertretern gehören die von Arnims.

Wer in der nordöstlich Berlins gelegenen Uckermark unterwegs ist, trifft allenthalben auf Hinweise auf diesen n. Steinerne Zeugen der einstigen Herrschaft stehen unter anderem in Boitzenburg, Criewen und Kröchlendorff. Doch alle drei Schlösser befinden sich nicht mehr im Eigentum der von Arnims. Als Junker nach Kriegsende enteignet, scheiterten nach der Wende alle Versuche auf kostenlose Rückgabe. So dienen die stattlichen Anwesen heute ganz anderen Zwecken. Das Boitzenburger Schloss, bis zur Wende ein NVA-Erholungsheim, baut ein Investor zum Jugendhotel um. Adolf Heinrich Graf von Arnim begnügt sich mit dem idyllisch gelegen Jagdhaus im benachbarten Mahlendorf. Auf den teilweise zurückgekauften Flächen wird Forstwirtschaft und Pferdesport betrieben.

In dem im Auftrag von Rittmeister Otto von Arnim Anfang des 19. Jahrhundert gebauten Schloss Criewen sitzt heute die Verwaltung des Nationalparkes Unteres Odertal. Rund 3 Millionen Euro kostete die lange Instandsetzung. Ebenfalls im alten Glanz strahlt das Schloss Kröchlendorff in der Nähe von Prenzlau. Die Gegend befand sich einst fast vollständig im Eigentum derer von Arnim. Aber im Schloss residiert heute die internationale Bildungsorganisation „Outward Bound“, die Kurse für Unternehmen und Schulen anbietet. Eine Angehörige der Familie von Arnim nutzt einige Schlossnebengebäude für eine kleine Landwirtschaft.

In Kröchlendorff fand kürzlich das Jahrestreffen derer von Arnims statt. Dabei wurde bekannt, dass die Zahl der weit verstreuten Angehörigen derzeit auf rund 500 geschätzt wird. Etwa zehn Familien sind nach 1990 wieder in den Osten Deutschlands zurückgekehrt. Zu den bekanntesten Vertretern gehört der Brandenburger CDU-Landtagsabgeordnete Alard von Arnim. Zuletzt rief er zur Mäßigung in der Diskussion um den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses auf. „Angesichts des Haushaltsloches von fast 350 Millionen Euro sagte ich: Nun mal langsam“, erklärte der Landwirt. Er vertrete den größten Wahlkreis im Land Brandenburg, den die Landwirtschaft präge und der unter der drückenden Last der Arbeitslosigkeit leide. Es falle schwer, den Menschen in seiner Heimat zu erklären, warum einerseits einige Schulen geschlossen und an zahlreichen anderen Stellen gespart werden müssten, und andererseits die Abgeordneten über einen neuen Landtagssitz diskutieren.

Das bekannteste und in die Literatur eingegangene Anwesen derer von Arnims steht südlich Berlins in Wiepersdorf. Hier wohnten einst Bettina und Achim von Arnim. Das 1880 erbaute Schloss nutzt heute die Stiftung Kulturfonds als Unterkunft für Schriftsteller, Komponisten und bildende Künstler.

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