Ägypten : Rice stößt mit Nahost-Konferenz auf taube Ohren

US-Außenministerin Rice tourt derzeit durch den Nahen Osten, um für die Ende des Jahres in den USA geplante Friedenskonferenz zu werben. In Ägypten stieß sie damit auf wenig Begeisterung. Dort empfahl man sogar, das Gipfeltreffen zu verschieben.

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Auf Stimmungsreise: Condoleezza Rice in Ägypten. -Foto: AFP

KairoUS-Außenministerin Condoleezza Rice hat die Zweifel der arabischen Staaten an der geplanten Nahost-Friedenskonferenz bei einem Besuch in Ägypten nicht ausräumen können. Ihr ägyptischer Amtskollege Ahmed Abul Gheit sagte nach einem Gespräch mit Rice, es sei besser, die von US-Präsident George W. Bush vorgeschlagene Konferenz zu verschieben, als diese einzuberufen, ohne dass vorher konkrete Fortschritte zwischen Israel und den Palästinensern erzielt worden seien.

Außerdem müsse schon vorab ein Zeitplan für die Friedensverhandlungen festgelegt werden, die auf diese Konferenz folgen sollten. Abul Gheit sagte, die Araber hätten aus der Friedenskonferenz von Madrid 1991 gelernt. Damals habe Israel erklärt, die Verhandlungen würden innerhalb von zehn Jahren abgeschlossen, "seither sind 16 Jahre verstrichen".

Drei Viertel der Israelis erwarten sich nichts von Konferenz

Rice zeigte sich dagegen zuversichtlich, dass die Konferenz spätestens im Dezember stattfinden werde. Ihre jüngsten Gespräche mit Israels Ministerpräsident Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hätten gezeigt, dass beide Seiten daran interessiert seien, die Chance zu nutzen, die diese Konferenz biete.

Keine großen Hoffnungen setzt die israelische Öffentlichkeit einer Umfrage zufolge in die in Annapolis geplante Nahost-Konferenz. Mehr als drei Viertel der Befragten halten die Regierung von Ministerpräsident Ehud Olmert für zu schwach, um im Namen Israels ein Abkommen mit Konzessionen auszuhandeln. Das geht aus einer in der Zeitung "Haaretz" veröffentlichten Umfrage hervor.

Eine deutliche Mehrheit der Israelis lehnt laut der Umfrage Kompromisse mit den Palästinensern bei den größten Streitfragen des Konflikts ab. Danach sind 87 Prozent der Befragten dagegen, auch nur einem einzigen der über 4,4 Millionen registrierten palästinensischen Flüchtlinge die Rückkehr nach Israel zu gestatten. Nur jeder dritte Befragte ist zu einer Teilung Jerusalems bereit, damit die Palästinenser dort die Hauptstadt eines künftigen unabhängigen Palästinenserstaates ausrufen können. (mit dpa)