Ärztegewerkschaft : Montgomery geht, Henke kommt

Nach 18 Jahren hat sich Frank Ulrich Montgomery von der Spitze der Ärztegewerkschaft Marburger Bundes zurückgezogen. Nachfolger wird der Aachener Internist Rudolf Henke.

Marburger Bund - Rudolf Henke
Der neue Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke. -Foto: dpa

Henke wurde auf der Hauptversammlung der Ärztegewerkschaft in Berlin mit 81 Prozent der Stimmen gewählt - kein Wechsel der Generationen, aber einer der Charaktere.

In langen Streikmonaten eroberte der Hamburger Oberarzt Montgomery 2006 die Herzen vieler Mediziner - und lehrte die Verhandlungsführer von Kommunen und Ländern das Fürchten. Die Öffentlichkeit lernte Montgomery als den etwas anderen Funktionär im Gesundheitswesen kennen. Deftig statt bürokratisch pflegt er sich zu äußern - am Ende hatte er erstmals eigene Tarifverträge für Ärzte erkämpft.

Wird Montgomery neuer Ärztekammer-Präsident?

"Ich werde mit Sicherheit nicht in Blankenese sitzen und über die Elbe gucken", sagt er. Spekuliert wird, der 55-Jährige Ärztekammer- Vize wolle Kammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe nachfolgen. "Normalerweise sind Vizepräsidenten in der Lage, sowas zu machen", sagt Montgomery. Es wird erwartet, dass der heute 67 Jahre alte Hoppe in dreieinhalb Jahren nicht mehr antritt.

Während des Streiks trugen tausende Mediziner Montgomery auf einer Sympathiewelle durch Deutschland, als der Radiologe allgegenwärtig für bessere Bedingungen kämpfte. Den Streik bezeichnete er als "Sklavenaufstand". Seine Ärztegewerkschaft wuchs auf 108.000 Mitglieder an, seit er 2005 aus der Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Verdi ausgeschert war. Ohne eigene Tarifverträge wäre Montgomery gescheitert. Allerdings waren die Abschlüsse weit weniger gut, als "Monty" gebetsmühlenartig gefordert hatte.

Der 53-jährige Henke kann gleich kommendes Jahr zeigen, dass er notfalls sogar mehr rausholen kann. Bei den Tarifverhandlungen über die kommunalen Kliniken will er 2008 höhere Gehälter für rund 55.000 Ärzte erreichen. Und für den streikfreien Sonderstatuts der kirchlichen Kliniken werde es zum "Sargnagel", wenn sie weiter Bereiche zu schlechteren Bedingungen ausgliederten.

CDU-Abgeordneter Henke

Seit 1989 war Henke zweiter Vorsitzender. Gerne zitiert er den Berliner Mediziner Rudolf Virchow, der Politik als "Medizin im Großen" bezeichnet habe. Henke sitzt seit 1995 für die CDU im nordrhein-westfälischen Landtag. Montgomery eckte eher mal durch sein Eintreten für SPD-Kanzler Gerhard Schröder an, ist aber kein Politiker.

Henke wurde bei Düren geboren und ist seit 1988 Oberarzt für Onkologie in Eschweiler. Er bezeichnet sich als "völlig anderen Menschen als Montgomery", setzt aber auf "Kontinuität" des Marburger Bunds. Es gibt im Verband Befürchtungen, Henke sei zu ruhig und sachlich. Er hält dem entgegen: "Wir sind Gewerkschaft und haben ja eine enorme Entwicklung absolviert. Und das wird genauso weitergehen. Das wird nicht zurückgefahren." Aber auch als Lobbyist für Ärzte werde der Bund "aktiv" bleiben. (mit dpa)