Der Tagesspiegel : Affäre Schelter: Manfred Stolpes Kartenhaus

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Befreiungsschläge sind nur dann welche, wenn sie zur rechten Zeit kommen. Doch das richtige Timing hat Justizminister Kurt Schelter längst verpasst. Zu spät kommt Schelters Entschuldigung, sein Bürochef habe unzulässig in die richterliche Unabhängigkeit eingegriffen. Denn angesichts der neuen Hinweise, dass der CDU-Parteifreund Pufendorf gar nicht erst versuchte, den zuständigen Richter zu erreichen, sondern lieber gleich den christdemokratischen Minister einschaltete, bricht Schelters Verteidigung endgültig zusammen. Jetzt rächt sich die versäumte Zeit. Vier Monate lang hatte der CDU-Minister Zeit, die Affäre zu bereinigen, bevor sie öffentlich gemacht wurde. Kurt Schelter hat darauf verzichtet, und den Konflikt angeheizt, bis dem Richterbund der Kragen platzte. Der CDU-Landesvorsitzende Jörg Schönbohm hat entsetzt erleben müssen, wie wenig polititisches Gespür der aus Bayern geholte Schelter besitzt. Der durch die Schmökel-Flucht angeschlagene Sozialminister Alwin Ziel und Schelters Amigo-Affäre zusammen - damit ist die kritische Masse für eine Regierungskrise erreicht. Verzweifelt haben sich Ministerpräsident Manfred Stolpe und sein Stellvertreter Schönbohm bemüht, diese Situation zu vermeiden. Welch ein Bilanz nach einem Jahr Große Koalition: Zwei Minister gegangen, zwei weitere vor dem Abgang.

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