Afghanistan : 140 Zivilisten wurden bei US-Angriff getötet

Bei dem US-Bombenangriff in der westafghanischen Provinz Farah am 3. Mai sollen 140 Zivilisten getötet worden seien, darunter 95 Kinder. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der afghanischen Regierung. Bislang gab es widersprüchliche Angaben über die Opferzahl.

KabulDie amerikanische Armee hatte zwar eingeräumt, dass bei dem Bombardement in Farah "eine Anzahl Zivilisten" getötet worden seien, eine konkrete Zahl wurde jedoch nicht genannt. Die Zahl von rund 140 getöteten Zivilisten wurde von einem US-Militärsprecher noch vor einer Woche als "völlig überzogen" bezeichnet. Das US-Militär hatte den Taliban vorgeworfen, die Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht zu haben.

Der US-Angriff Anfang des Monats hatte international Kritik ausgelöst. US-Präsident Barack Obama hatte nach einem Treffen mit Afghanistan und Pakistan einen besseren Schutz der Zivilbevölkerung versprochen.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat die internationalen Truppen bereits mehrfach zu mehr Vorsicht aufgerufen und scharfe Kritik an ihrem Vorgehen geäußert. Karsai forderte die US-Regierung auf, die Luftangriffe in bevölkerten Gegenden einzustellen.

Die Taliban hatten bei einem Angriff in dem Ort Gerani im Distrikt Bala Bulok zunächst drei Zivilisten und drei Polizisten getötet und sich dann nach offiziellen Angaben in Wohnhäusern verschanzt. Die US-Truppen bombardierten die Gegend, nachdem Sicherheitskräfte
Luftunterstützung angefordert hatten.

Seit Beginn des internationalen Militäreinsatzes hat keine einzelne Operation mehr Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert. Bei den jüngsten Anschlägen und Angriffen Aufständischer sowie bei Gefechten wurden insgesamt mindestens 18 Menschen getötet. (sh/dpa)